Ist das ein Golfmobil?

Als im Mai 1968 die Unruhen der 68er-Bewegung Paris beherrschten, fuhr auf einem Golfplatz im beschaulichen Seebad Deauville in der Normandie der Citroën Méhari in schrillen Hippie-Farben vor die versammelten Pressevertreter. Aus dem offiziell als „Dyane 6 Méhari“ bezeichneten Auto, das heute ohne Zweifel auch als Golfmobil durchgehen würde, stiegen allerdings weder Golfer noch der Platzwart, sondern Models in Flower-Power-Bademode. Die Präsentation der Citroën-Verantwortlichen ging auf: Das Auto begeisterte die Presse und startete seinen Siegeszug, der erst zwanzig Jahre später, nach fast 145.000 gebauten Einheiten enden sollte. Damit schlug der Méhari seinen direkten Konkurrenten, den Renault 4 Plein Air, um Längen. Dieser ebenfalls 1968 präsentierte Wagen kam bis zu seinem Produktionsende 1971 lediglich auf 563 Exemplare. Der Méhari war sozusagen der VW Buggy der Franzosen.

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Ein Allzweckfahrzeug und Arbeitstier

Alles an dem Méhari ist minimalistisch. Gerade darin liegt wohl das Erfolgsgeheimnis des französischen Strand-Kamels. Die Frontscheibe ist umklappbar und kann wie bei einem Jagdwagen auf die Motorhaube gelegt werden. Es gibt keinen Stoff, alles ist abwaschbar. Die Instrumente sind auf das Notwendigste beschränkt. Der charakteristische Klang des aus dem 2CV entliehenen Zweizylinder-Boxer-Motors passt sehr gut zu dieser Optik. Vor allem aber ist der Méhari überaus vielseitig. Er ist nicht nur ein perfektes Strandauto für den Surfbretttransport, er ist ein Allzweckfahrzeug. Serienmäßig nur mit zwei Sitzen ausgestattet, hat er eine Ladefläche wie bei einem Pick-Up. Eine Sitzbank für weitere Fahrgäste kann allerdings eingebaut werden. Anfangs leistete der Fronttriebler 28 PS bei einem Hubraum von 0,6 Litern und erreichte knapp 100 Stundenkilometer. Schon in dieser Version war er als Safari-Fahrzeug in Afrika und bei den Langstrecken-Rallyes Lüttich-Dakar-Lüttich und Paris-Kabul-Paris unterwegs. Genauso wie der Citroën 2CV, die legendäre „Ente“, wurde auch der Méhari in der Landwirtschaft eingesetzt und transportierte sogar Strohballen. Pfiffig sind die Wasserabläufe im Fahrgast- und Laderaum: Der Wagen wird einfach mit einem Schlauch ausgespritzt – Rost ist ja aufgrund der Kunststoffkarosserie kein Problem.

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Neue Einsatzgebiete – der Méhari wird Soldat und Filmstar

1979 erhielt der Méhari einen Vierradantrieb, der dem Fahrzeug ganz neue Einsatzbereiche bescherte. Das Auto fuhr als Begleitfahrzeug bei der Rallye Paris-Dakar, bei der französischen Polizei und der französischen Armee. Das maximal 555 Kilogramm leichte Plastikauto wurde unter anderem auch bei den französischen Fallschirmjägern verwendet, da es aus der Luft abgeworfen werden konnte. Neben dem Vierradantrieb verfügt die spätere Variante des Wagens über eine Differentialsperre an der Hinterachse und sieben Vorwärtsgänge. So kann er auch Steigungen von über 60 Prozent überwinden. Durch den 1978 für den Citroën Visa entwickelten 0,65-Liter-Motor mit 34 PS stieg die Höchstgeschwindigkeit auf 120 Stundenkilometer.

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 Viel mehr an Modellpflege gedieh Citroën dem Méhari in seinen fast zwanzig Produktionsjahren bis 1987 nicht an. Neben der Einführung des Vierradantriebs, der vor allem für die Verwendung beim Militär konzipiert worden war, und dem stärkeren Motor kamen lediglich Türen anstelle der Ketten in den seitlichen Einstiegen und einige Sonderlackierungen.

In den 1970er-Jahren avancierte das „Dromedar“ sogar noch zum Filmstar. Louis de Funés fuhr als „Gendarm von Saint-Tropez“ als Dienstwagen ebenso einen Méhari wie Charton Heston als „Der Omega-Mann“, der mit dem Auto die Gegend durchstreift, um die Menschheit vor Mutanten zu retten.

 

Später Einstand in Deutschland

Auf den deutschen Markt hat es der kleine, 3,53 m lange und 1,53 m breite Freizeitflitzer leider nie geschafft. Seine Kunststoffkarrosserie aus dem Copolymer ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) war nicht feuerfest, daher erhielt er keine allgemeine Betriebserlaubnis. Eine Zulassung war nur über eine Einzelabnahme möglich. Auf Basis des 2CV-Fahrgestells gab es in Deutschland von 1972 bis 1982 aber den Fiberfab Sherpa mit einer GFK-Karosserie als Bausatzauto, der dem Méhari sehr ähnlich sah. Ab 1983 wurde das Auto auch in Lizenz als IES Safari mit einer Fiberglaskarosserie vom argentinischen Autohersteller Industrias Eduardo Sal-Lari gebaut, der das dortige Citroën-Werk übernommen hatte und auch andere Modelle in Lizenz baute. Auch der Safari kam nicht nach Deutschland. Seit 2011 vertreibt das Düsseldorfer Unternehmen MM Kit Cars einen Bausatz-Méhari mit GFK-Karosserie unter dem Modellnamen El Cid. Das Komplettfahrzeug kostet knapp 12.000 €, der Bausatz ist auf einem angelieferten 2CV-Chassis ab etwa 5.000 € zu haben.

Erst seit 2016 gibt es auch in Deutschland offiziell einen Méhari. Citroën stellte Ende 2015 auf der IAA mit dem E-Méhari ein dem Original nachempfundenes, modernes Freizeitauto vor, das wie sein Vorbild über eine Kunststoffkarosserie verfügt, aber zeitgemäß von einem Lithium-Polymer-Akku mit Energie versorgt wird. Der Elektromotor leistet 68 PS und beschleunigt den Wagen bis zu einer Spitzengeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern. Das Fahrzeug wird für 27.000 € ohne Batterie angeboten.

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Chronologie des Citroën Méhari

  • 1967: Produktionsbeginn des Citroën Dyane als Basis für den Méhari.

  • 1968: Präsentation des Citroën Dyane 6 Méhari“ am 16. Mai in Deauville, Frankreich.

  • 1969: Teilnahme an der Rallye Lüttich-Dakar-Lüttich.

  • 1970: Teilnahme an der Rallye Paris-Kabul-Paris.

  • 1979: Version mit Vierradantrieb und stärkerem Motor.

  • 1980: Citroen Méhari 4x4 als Begleitfahrzeug bei der Rallye Paris-Dakar.

  • 1983: Sondermodelle „Méhari Azur“ und „Méhari Plage“ mit Zweifarblackierung für den französischen, italienischen und portugiesischen beziehungsweise für den spanischen Markt.

  • 1987: Produktionsende des Méhari nach 144.953 gebauten Fahrzeugen.

  • 2015: Im Dezember Vorstellung des Citroën E-Mehari auf der IAA.

  • 2016: Vertriebsstart des Citroën E-Mehari.

  • 2018: Vertriebsstart der zweiten Generation des E-Mehari.