Neu und doch genauso, wie er vorher war

Es hatte siebzehn Jahre gedauert, bis VW nach dem T1 einen neuen Bulli auf den Markt brachte. Die ersten T2a schienen allerdings abgesehen von der durchgängigen Frontscheibe und der nun fehlenden v-förmig abgesetzten Front keine großen Veränderungen erfahren zu haben. Was sich optisch als althergebracht darstellte, hatte aber technisch durchaus einige Neuerungen zu bieten. Die Karosserie war bei gleichem Radstand um 14 Zentimeter gewachsen und die neue Schräglenker-Hinterachse war das modernste, was in einem Volkswagen seinerzeit zu haben war. Als Antrieb fungierte weiterhin der luftgekühlte Heckmotor, ein Vierzylinder-Boxer, der im Vergleich zu seinem Vorgänger 91 Kubikzentimeter auf nun 1,6 Liter Hubraum zugelegt hatte. Die daraus entspringende Mehrleistung von 3 PS wurde von der Gewichtszunahme um 105 Kilogramm auf nun insgesamt 1.265 Kilogramm allerdings wieder geschluckt.

Ein kaum bemerkbares Facelift

Erst 1970 gönnte VW dem T2 ein kleines Update. Drei weitere PS kamen hinzu und mussten dem 1,6-Liter-Boxermotor nicht nur bis zum Ende seiner Laufzeit in diesem Modell reichen, er wurde sogar in den T3 übernommen. Dort verrichtete er noch bis 1982 seinen Dienst. 1971 kam gegen Aufpreis ein 1,7-Liter-Flachboxer im T2 zum Einsatz, der bereits im VW 411 verwendet wurde, dazu ein Bremskraftverstärker und Gürtelreifen. Um dem neuen Motor Platz zu schaffen, musste das Heck angepasst werden und erhielt die größeren Rückleuchten, die später zusammen mit einer geänderten Position der Frontblinker und nach innen verlegten Trittstufen ab 1972 für das Modell T2b charakteristisch sind.

Der T2 Achtsitzer L

Eigentlich sollte er Clipper heißen. Das war aber aus markenrechtlichen Gründen nicht möglich. So kam VW für das Spitzenmodell des T2 auf die nüchterne Bezeichnung VW Bus Achtsitzer L. Das L steht für Luxus und brachte allerlei für einen Transporter als ebensolchen einzustufende Extras. Neben Chromelementen an den Fenstern und der Front, einer Dachreling und den Chromzierleisten an den Seiten gab es eine Zweifarblackierung und ein großes Stahlschiebedach. Innen wurde der Luxus unter anderem über eine aufwendigere Sitzausstattung verwirklicht. Das Gewicht des Fahrzeuges erhörte sich dadurch nochmal um 60 Kilogramm auf nunmehr 1325 Kilogramm Leergewicht.

Der Silberfisch

Zum Ende der T2-Zeit hat VW noch einmal ganz tief in die Ausstattungskiste gegriffen. Das wegen seiner Metallic-Lackierung „Silberfisch“ genannte Sondermodell des VW T2 L wurde nur 1.600-mal gebaut. Neben dem Schiebedach und den Chromelementen der L-Reihe spendierte man dem Wagen gesteppte und gepolsterte Seitenverkleidungen, einen durchgehenden Dachhimmel und Velourssitze, ein Ölthermometer, ein Frischluftgebläse und getönte Scheiben. Der 2,0-Liter-Flachboxer mit 1970 Kubikzentimetern, der auch im Porsche 914 2.0 zu finden ist, treibt den Silberfisch auf bis zu 127 Stundenkilometer. Von 0 auf 100 bringt er ihn in 22,3 Sekunden. Im Gegensatz zu den 100 PS im Porsche hat VW den Motor über eine Zweivergaseranlage allerdings auf 70 PS gedrosselt. Einen besser ausgestatteten Transporter konnte man zu dieser Zeit nicht finden, schon gar nicht in extravagantem Silbermetallic. Allerdings schlug das Ganze auch 19.495,- DM zu Buche.

Ein VW T2 L in der Frontansicht.Foto: Berthold Werner, VW T2b Bus 2013-07-21 13-54-29, CC BY-SA 3.0

Mit dem „Silberfisch“ ging der T2 in Deutschland 1979 in Rente …

Mit dem Silberfisch ging bei Volkswagen in Deutschland die Ära der luftgekühlten Transporter mit Heckmotor nach mehr als vierzigjähriger Produktionszeit zu Ende. Ebenso wie beim VW Käfer konnte über diese lange Zeit kein Konkurrent den Erfolg des T2 ernsthaft gefährden. Sein Nachfolger, der T3, wurde zwar von 1979 bis 1982 ebenfalls mit luftgekühlten Heckmotoren betrieben, aber dann wurden die Modelle mit Ottomotoren endgültig auf Wasserkühlung umgestellt. Ab 1990 kam mit dem T4 schließlich das Aus für das mittlerweile gnadenlos überholte Konzept des Heckmotors.

Ein VW T2 L Silberfisch in der Heckansicht.Foto: Berthold Werner, VW T2b Bus 2013-07-21 13-54-14, CC BY-SA 3.0

...den luftgekühlten Boxermotor im Heck nahm er gleich mit
 

Südamerikanisches Revival

Als Modell T2c wurde der Bulli, nachdem 1995 auch die Produktion in Mexiko eingestellt worden war, von 1997 bis 2005 im brasilianischen São Bernardo do Campo noch mit luftgekühltem Heckmotor gebaut, bevor man auch dort auf Wasserkühlung umstieg. Bezeichnenderweise endete dort im Dezember 2005 die Produktion ebenfalls mit dem silberfarbenen Sondermodell Prata (portugiesisch für Silber).

Ein silberner VW T2c Prata in der Frontansicht.Foto: ICS Team, Freigabe des Bildes am 30.6.2006 durch ICS Team, Thomas Küster, VW Bus T2c Silberfisch2, CC BY-SA 3.0

Mit dem VW T2c „Prata“ beendete ein weiterer „Silberfisch“ die Ära des luftgekühlten Vierzylinder-Boxers auch in Südamerika.

Die wassergekühlte Version des T2c hielt sich tatsächlich noch bis Ende 2013. Sie fiel den dort ab 1. Januar 2014 für Neuwagen vorgeschriebenen ABS und Airbag zum Opfer und ging mit dem limitierten Sondermodell „56 Anos Kombi – Last Edition“ in den Ruhestand – allerdings mit Zweifarblackierung.

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Bleibender Wert

Auch heute noch sind T2-Transporter, vor allem die VW T2 L als Oldtimer bei Sammlern beliebt. Für einen Silberfisch in gutem Originalzustand werden zwischen 20.000,- und bis zu 40.000,- € aufgerufen.