Erstmal wieder aneinander gewöhnen

So banal es auch klingt: Wer im Winter ein modernes Auto mit ABS, ESP und all den anderen elektronischen Helferlein gefahren ist, muss sich erst wieder auf seinen Klassiker einstellen, der einfach anders reagiert. Viele Experten empfehlen zum Saisonstart nicht nur Motorradfahrern, sondern auch den Kapitänen von Old- oder Youngtimern ein Fahrsicherheitstraining. Aber nicht nur das gegenseitige Verständnis zwischen Fahrer und Fahrzeug muss wieder hergestellt werden, nach einer Winterpause benötigen die Autos erst einmal eine ausgiebige und gewissenhafte Frühjahrspflege.

Frühjahrs-Checkliste

Folgende Punkte solltest du beachten, bevor du nach längerer Winterpause deinen Oldtimer wieder in Betrieb nimmst:

Reifenkontrolle

  • Wenn du dich an unsere Tipps gehalten hast, wie du dein Fahrzeug bereit für den Winterschlaf machst, hast du sicher den Reifendruck erhöht, damit es keine Standplatten gibt. Jetzt musst du nicht nur prüfen, ob die Reifen Luft verloren haben, sondern vor allem den Druck wieder anpassen, damit der Reifen ausreichenden Kontakt zur Fahrbahn hat. Gerade bei alten Autos mit ihren schmalen Reifen ist der richtige Reifendruck für die Fahrsicherheit enorm wichtig.

  • Kontrolliere auch, ob der Reifen porös geworden ist und ob die Profiltiefe noch ausreicht. Hier gelten die gleichen Grundsätze wie bei modernen Autos: 4 mm Restprofiltiefe sollte noch vorhanden sein und spätestens nach 6 bis 7 Jahren darfst du davon ausgehen, dass die Gummimischung der Reifen verhärtet ist. Alte und poröse Pneus können zu Unfällen führen, die in der Regel weit teurer ausfallen, als ein Satz neue Reifen.

Batteriecheck

  • Die über den Winter ausgebaute und warm gelagerte Batterie muss vor dem Wiedereinbau noch einmal geladen werden. Wenn du ein Erhaltungs-Ladegerät verwendet hast, sollte sie gut in Form sein und kann direkt wieder eingebaut werden. Batteriepflege ist das A und O beim Einwintern, denn nichts ist ärgerlicher, als die erste Frühjahrsausfahrt wegen einer toten Batterie abblasen zu müssen.

Flüssigkeitsstände und Lichter prüfen

  • Nach der Batterie geht es an die Flüssigkeitsstände deines Wagens. Ölstand, Tankinhalt, Kühl- und Bremsflüssigkeit müssen geprüft werden. Alles sollte im Idealfall noch so sein, wie vor der Winterpause.

  • Auch wenn alles in Ordnung ist, auf jeden Fall noch einmal unter das Auto schauen, ob es irgendwo tropft oder getropft hat. Vor dem Einwintern unter den Wagen gelegte Pappen zeigen schnell, wo und vor allem was da aus dem Auto geleckt hat.

  • Prüfe selbstverständlich auch, ob noch alle Lichter funktionieren.

Eine gründliche Inspektion des Autos ist ein Muss nach dem Winter.Eine gründliche Inspektion des Autos ist ein Muss nach dem Winter.

Nichts überstürzen, vor allem nicht sofort losfahren

  • Nach überstandener Kontrolle von Batterie, Reifen und Flüssigkeitsständen ist die Versuchung groß, nun endlich loszufahren. So weit ist dein Wagen aber noch lange nicht. Bevor du ihn nach der Winterpause zum ersten Mal startest, ziehe ein Kabel der Zündspule ab und lasse den Anlasser drehen, bis der Öldruck aufgebaut ist, also bis die Ölwarnleuchte ausgeht. Dann bis drei zählen und erst dann den Schlüssel wieder drehen.

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Vorsicht bei Youngtimern!

Diese Übung ist natürlich vor allem für Vergasermotoren gedacht. Wenn du einen Youngtimer mit Einspritzung und vor allem schon mit Katalysator fährst, lasse es bitte bleiben, du kannst damit den Katalysator zerstören.

Lasse deinen Motor warmlaufen

  • Ein Vergasermotor wird nach langer Standzeit über den Winter immer etwas ruckeln und stottern, bis er warm ist. Das macht gar nichts, denn nach kurzer Zeit wird er rund laufen und keine Probleme machen, wenn er fachgerecht eingewintert wurde. In der Zeit, die der Motor zum Warmlaufen benötigt, solltest du die Schlauchverbindungen und Gummidichtungen noch einmal unter die Lupe nehmen. Poröses Gummi muss ersetzt werden, damit der Motor nicht undicht wird.

Moderate Fahrweise

  • Fahre nach der Winterpause behutsam und beschleunige langsam. Starke Drehzahlschwankungen sind für kalte Motoren Gift.

  • Das oft beschworene Freiblasen der Zündkerzen schadet dem anfangs noch ruckelnden Motor und führt zu erhöhtem Verschleiß, anstatt ihm auf die Sprünge zu helfen.

Das Wageninnere auslüften und reinigen

  • Wenn der Wagen nun endlich seinen Weg aus der Garage gefunden hat, riecht es im Innern häufig nach einer längeren Standphase etwas muffig, gerade bei geschlossenen Karosserien. Hier hilft nur Lüften. Dafür stellst du das Auto am besten mit geöffneten Fenstern in die Sonne. Nach ein paar Stunden sollten schlechte Gerüche verschwunden sein.

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Vorsicht ist beim Öffnen von Cabriodächern geboten.

Das Verdeck kann durch die Kälte im Winter noch spröde sein und der Stoff oder das Kunststoffheckfenster können reißen. Abhilfe schafft ein Heizlüfter, mit dem du das Wageninnere vorsichtig erwärmst.

  • Es schadet natürlich nicht, die Fußmatten herauszunehmen und den Wagen gründlich auszusaugen, wenn das nicht schon beim Einwintern geschehen ist. Selbstverständlich solltest du auch für klaren Durchblick bei den Scheiben sorgen.

Außenreinigung

  • Liebhaber von Young- und Oldtimern werden ihre Autos in der Regel von Hand waschen. Gerade bei Cabrios mit ihren empfindlichen Stoffdächern sind Waschanlagen und Bürsten tabu. Am besten lässt du nur Wasser ans Verdeck.

  • Nach der Wäsche von Hand aufgetragenes Hartwachs bietet anhaltenden Glanz und einen guten Oberflächenschutz für die Saison.

Auch Außen sollte das Auto inspiziert und gepflegt werden.Auch Außen sollte das Auto inspiziert und gepflegt werden.

Zu guter Letzt: Teste die Bremse

  • Eine Pflichtübung vor der ersten Ausfahrt ist ein Test der Bremse. Auch wenn du die Bremsflüssigkeit bei der Kontrolle der Flüssigkeiten für gut befunden hast, ist nach der langen Standzeit ein Tritt auf das Bremspedal unbedingt nötig. Zum Bremssystem gehören schließlich noch andere Komponenten. Hässliche Geräusche sind vielleicht nicht das Schlimmste, aber ein Tritt ins Leere oder eine nachlassende Bremsleistung sind im Ernstfall nicht besonders schön.

 

Zugegeben, Oldtimer und Youngtimer verlangen ihren Besitzern nach der Winterpause eine ganze Menge ab. Wenn du bei einzelnen Schritten unsicher bist, helfen dir Oldtimer-Experten in einer Fachwerkstatt weiter. Egal, ob selbst gemacht oder einem Spezialisten anvertraut: Wenn du alle Punkte unserer Frühjahrspflege beherzigt hast, sollte sich die Mühe auch gelohnt haben und einer entspannten Ausfahrt am ersten warmen Frühlingswochenende in einem sauberen und vor allem sicheren Auto nichts mehr im Wege stehen.