Der Käfer vor und nach dem Krieg. Vom Spott- zum Kosenamen

Am 3. Juli 1938 veröffentlicht die New York Times einen Artikel, der womöglich prägend für die Namensgebung des im dritten Reich noch als Kdf-Wagen (Kraft-durch-Freude-Wagen) bezeichneten Fahrzeugs ist. Darin ist die Rede von

„Tausenden und Abertausenden von glänzenden kleinen Käfern […], die von der Ostsee bis zur Schweiz und von Polen bis Frankreich surren werden, zusammen mit Vater, Mutter und bis zu drei in den Innenraum gepackten Kindern, die ihr Vaterland zum ersten Mal durch die eigene Windschutzscheibe sehen.“

- New York Times, 3. Juli 1938

VW-Käfer-Zeichnung

Diese düstere Vision geht jedoch nicht in Erfüllung. Vom im wortwörtlichen Sinne als Volkswagen geplanten Käfer werden bis Kriegsende lediglich 630 Fahrzeuge im dafür eigens gebauten Werk in Wolfsburg hergestellt: Die Fabrik wird zur Produktion von Rüstungsgütern zweckentfremdet und daher im Laufe des Krieges nahezu vollständig zerstört.

Erst in der Nachkriegszeit wird das VW-Werk wieder seiner ursprünglichen Aufgabe zuteil. Die ersten nach 1945 produzierten Volkswägen, zunächst noch eine befremdliche Kombination aus vom Krieg übriggebliebenen Kübelwägen und den unter Leitung von Ferdinand Porsche angefertigten Konstruktionszeichnungen, sind mehr ein Provisorium und nicht für die Bevölkerung zugänglich. Bereits im Jahr 1946 wird aber mithilfe der britischen Besatzungsmächte die erste Serienproduktion der Typ 11-Limousine gestartet, die zum Großteil zunächst nur deutschen Behörden zur Verfügung steht.

Blog-Käfer-im-Museum

Danach geht alles sehr schnell: 1947 beginnen erste Exporte – und 1955, keine 10 Jahre später, wird ein in goldener Farbe lackierter Käfer als einmillionster Volkswagen gefeiert. Es entstehen weitere VW-Werke in Deutschland, aber auch in Kanada und Brasilien. Der Käfer erfreut sich unlängst weltweiter Beliebtheit und wird auf diese Weise zum Symbol für das Wirtschaftswunder in Westdeutschland.

Der Erfolg des Käfers resultierte auch aus seiner effektiven Bewerbung. So wurde er in Werbespots nicht etwa – wie die Modelle vieler anderer Autohersteller – als „das beste Fahrzeug aller Zeiten“ gepriesen, sondern lediglich in seinen Unterschieden zur Konkurrenz hervorgehoben. Einer davon, nämlich die unglaubliche Beständigkeit des Käfer-Motors, führte später fast zum Bankrott des Volkswagen-Konzerns und ist Anlass für einen der legendärsten Werbespots überhaupt:

Dieser Spot, dessen Slogan „Er läuft und läuft und läuft“ schnell die Herzen der Menschen eroberte, erschien im Jahre 1968 – einem für den VW Käfer sehr bedeutsamen Jahr. Denn erstmals wird das Kultfahrzeug in einem Werbespot mit dem Namen „Käfer“ beworben – einem Spitznamen, der zuerst abfällig, dann spöttisch und zuletzt liebevoll verwendet wurde; einem Spitznamen, der heute genauso kultig ist wie gestern. Der Käfer hatte die Welt erobert – und nicht mehr als 20 Jahre dafür benötigt.