10.000 bearbeitete Karosserien – jahrelange Erfahrung. 

Wir staunen nicht schlecht, als wir in der Lagerhalle stehen und auf unzählige Fahrzeugkarosserien blicken. Bullis, Pagoden, Mustangs, vielleicht 100 Modelle. Für die 35 Mann starke Carblast-Firma ist das genug Arbeit für nahezu ein Jahr. Dabei steht die Lagerhalle vergleichsweise leer: Es ist Mitte August, also Saison – wesentlich mehr Aufträge bekäme das Unternehmen laut Produktionsleiter Arthur Schwan in den Wintermonaten. Die Kunden sind verschieden: Mal Industrieunternehmen wie Volkswagen, mal Restaurationsbetriebe, mal Vater und Sohn, die gemeinsam einen Oldtimer restaurieren wollen. Alle jedoch haben sie sich für Carblast entschieden, und das nicht ohne Grund.

Carblast Lagerhalle

Eine beeindruckende Vielfalt. In der Lagerhalle von Carblast sind Karosserien aller möglichen Fahrzeuge zu finden.


Vor 16 Jahren bestand das Unternehmen aus einer einzigen Hebebühne und bot lediglich Entlackung an: Alexander Schwan, gelernter Industriemechaniker bei Daimler-Benz AG und nun Geschäftsführer bei Carblast, hatte sich im Jahr 2003 selbstständig gemacht, um seine Leidenschaft auf eigenen Füßen ausleben zu können. Der 42-Jährige entwickelte in Zusammenarbeit mit Kärcher das Trockeneisstrahlen, eine einzigartige Methode zur nicht-abrasiven Reinigung von Karosserieteilen, die heute überall in verschiedenen Bereichen Anwendung findet. Mittlerweile ist Carblast schon längst in aller Munde und verfügt über ein riesiges Betriebsgelände in Welzheim bei Stuttgart, mehr als 10.000 Fahrzeuge oder Karosserien wurden bisher bearbeitet; das ist geballte Erfahrung. Bei Karosserieentlackung fängt das Service-Angebot von Carblast erst an: Darüber hinaus werden sämtliche Karosserie- und Lackierarbeiten sowie die Anfertigung ganzer Karosserien angeboten. 

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Abrasive und Nicht-Abrasive Verfahren 

Bei der Bearbeitung von Karosserieteilen lässt sich grundsätzlich in abrasive und nicht-abrasive Reinigungsverfahren unterscheiden. Während abrasive Verfahren über Schleifwirkung funktionieren und sich sehr gut zur Entfernung von Rost eignen, sind nicht-abrasive Verfahren schonender für die Karosserie.  


Mit Methoden zur Karosserieentlackung hat Alexander Schwan viel herumexperimentiert, um ein optimales Verfahren zu entwickeln. Von klassischem Sand- über Sodastrahlen bis zur Verwendung von Kirschkernen oder Kunststoffstrahlen wurde im wachsenden Carblast-Unternehmen jedes Entlackungsverfahren getestet und auf seine Vor- und Nachteile hin bewertet. So eignet sich zum Beispiel Sandstrahlen nur für lokale Rostentfernungen und ist auf gar keinen Fall für die Entlackung ganzer Karosserien zu empfehlen, da die Bleche sonst beschädigt werden können oder sich – im Schlimmstfall – verziehen. Mittlerweile werden Karosserien bei Carblast nur noch mit Kunststoff oder Glas gestrahlt – diese zwei Methoden haben sich am besten bewährt.

Karosserien für E-Oldtimer

Diese Karosserien wurden nicht nur entlackt, sondern auch für den späteren Einbau eines Elektromotors und der dazugehörigen Batterien modifiziert. Sie werden also zu E-Oldtimern.

 

Hitze, Lauge, Tauchbad – das Erfolgsgeheimnis des Welzheimer Unternehmens

Strahlverfahren eignen sich jedoch nur für sichtbare Karosserieteile: Nicht jeder Winkel kann mit der Lanze/Pistole erreicht werden. Für eine vollständige Entlackung greift Carblast daher zu völlig anderen Mitteln: Hitze, Lauge und KTL-Beschichtung. Dieser dreischrittige Prozess wurde ebenfalls von Alexander Schwan entwickelt und perfektioniert. Eine Übersicht dazu findest du im Folgenden:  

  1. Thermische Entlackung

In einer Hitzekammer wird das Karosserieteil bei einer gleichmäßigen Hitze von etwa 400 °C entlackt, wobei das noch schonend ausgedrückt ist: Lack, Spachtel und Unterbodenschutz werden im wahrsten Sinne des Wortes durch die Hitzeeinwirkung pulverisiert, bis von der einstigen Karosseriebeschichtung nur noch 2 bis 5 Kilogramm Staub übrig ist.  

  1. Chemische Entlackung

Dieser nachfolgende Schritt sorgt dafür, dass die Karosserie vollkommen „nackt“ gemacht wird. Das Fahrzeug wird in ein wässriges Laugenbad getaucht und später sorgfältig abgestrahlt. Die Lauge greift dabei nicht den Lack direkt an, sondern lediglich die Polymere, welche die Lackschicht mit dem Blech verbinden. Es kann daher am Ende der chemischen Entlackung durchaus so aussehen, als hätte die Karosserie sich „gehäutet“, wenn ganze „Farb-Lappen“ im Laugenbad zurückbleiben. 

  1. Kathodische Tauchbadlackierung (KTL)

Dieses abschließende Verfahren ist zwingend notwendig: denn ein chemisch entlacktes Fahrzeug rostet ohne Versiegelung schneller, als man es lackieren kann. Im Tauchbad wird das Karosserieteil mit einer hauchdünnen, 10–20 µm starken Lackschicht überzogen. Diese schützt gleichsam vor Rost und erleichtert nebenher das Identifizieren kleinster Dellen, die bei herkömmlich entlackten Fahrzeugen nur schwer zu erkennen sind. 

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Kathodische Tauchbadlackierung (KTL)

KTL ist eine Lackierungsmethode, die sich hervorragend für komplizierte Werkstücke oder industrielle Großproduktionen eignet. Dabei wird ein elektrisches Feld von ca. 200 V erzeugt, dem das zu lackierende Karosserieteil als Minuspol dient. Eine ständig in Bewegung gehaltene Mischung aus 98% Wasser und 2% Pigmentpaste strömt in jeden Winkel des zu bearbeitenden Teils, an dem der Lack sich als dünne Schicht absetzt. 


Das KTL Bad

In diesem Bad findet die kathodische Tauchbadlackierung statt.

 

Die KTL-Anlage als Neuzugang

Auf das Kathoden-Tauchbad ist das Unternehmen besonders stolz. Es wurde erst 2018 in Betrieb genommen, nachdem es zuvor in Zusammenarbeit mit BASF konzipiert und perfektioniert wurde. Tatsächlich dauert eine KTL-Beschichtung nur 200–400 Sekunden, also maximal 7 Minuten. Die Betriebskosten einer solchen Anlage sind jedoch extrem hoch. Um eine konstante Zirkulation im Tauchbad gewährleisten zu können, muss die Anlage Tag und Nacht im Betriebsmodus sein. Das Unternehmen hat sogar ein Notstromaggregat, um kurzfristige Stromausfälle überbrücken zu können. Auch der Inhalt des Tauchbads muss regelmäßig auf seine korrekte Zusammensetzung überprüft werden – BASF führt darüber hinaus monatlich aufwändige Qualitätskontrollen an „Testblechen“ durch, um eine korrekte Funktion der KTL-Anlage gewährleisten zu können. 

Obwohl das KTL-Becken ziemlich hohe Anschaffungskosten mit sich brachte, hat sich die Investition mehr als gelohnt. Arthur Schwan denkt an frühere Zeiten zurück, in denen die von Carblast entlackten Karosserien noch durch halb Deutschland transportiert werden mussten, wo sie in wesentlich minderer Qualität beschichtet wurden, als das heute mit dem werkseigenen Tauchbad der Fall ist. Heute lässt sich bei Carblast alles von Entlackung über Beschichtung bis hin zu Lackierung und Karosseriebau am selben Ort durchführen. „Das erleichtert vieles – sowohl für uns, als auch für unsere Kunden“, so Schwan.

Zum Schluss zeigt Produktionsleiter Arthur Schwan uns noch etwas Besonderes: „Bill and Mick“, eingeritzt in die Fronthaube eines Porsche 356 – eine Verewigung, die vermutlich jahrelang vom Lack verdeckt war und erst infolge der Entlackungsarbeiten wieder ans Licht kam. „Genau diese Kleinigkeiten sind es, die mir immer wieder Spaß an der Arbeit bereiten“, lächelt Arthur Schwan und fügt hinzu: „In jedem Auto stecken tausend Geschichten.“

“Bill and Mick” verewigt auf einem Porsche 356

Bis zur Entlackung jahrelang unter Spachtel und Lack versteckt: “Bill and Mick”, verewigt auf einem Porsche 356.


Wenn du neugierig geworden bist, besuche doch die Carblast-Homepage oder ihren brandneuen YouTube-Channel Carblast-TV!