Golf und Tuning … gehört für viele zum guten Ton

Seit 36 Jahren ist der VW Golf 1 mittlerweile aus dem Geschäft. Als 1983 die Produktion zugunsten des Golf 2 eingestellt wurde, ahnte noch niemand, dass sich der Wagen zum Klassiker eignet und – mittlerweile ganz offiziell als H-Kennzeichen-fähiger Oldtimer – immer noch überaus beliebt ist. Doch zurück in die 1970er-Jahre. Mit dem Spitzenmodell Golf GTI erwarb man seinerzeit einen Kompaktwagen, der mit 110 PS üppig motorisiert und vor allem auch bei Tunern sehr beliebt war. Heute besitzt er definitiv Kultstatus. Das Maß aller Dinge war lange Zeit der an ein Porsche 928-Fahrwerk angepasste „Golf 928“ des niedersächsischen Tuners Artz. Mit einer Leistung von etwa 300 PS war er der stärkste Golf der Welt.

Mittlerweile hat ein anderer Golf 1 den ersten Platz auf dem Tuning-Treppchen erklettert. Die Tuner von DMK Motoring haben noch einmal ganz andere Maßstäbe gesetzt. Hinter dem Namen stecken zwei tuningverrückte Brüder aus dem münsterländischen Kreis Steinfurt, die im Jahr 2014 einem Golf Baujahr 1982 unfassbare 815 PS entlockt haben. Sie haben im positiven Sinne ein Monster erschaffen. Mit der auf dem Dynojet-Prüfstand von BBM Motorsport bestätigten Leistung gehen sie weit über das hinaus, was bislang mit diesem Wagen angestellt worden ist.

Der Beweis auf dem Prüfstand: 815 PS aus einem Golf!

Rein äußerlich sieht man das dem Auto nicht an. Man erkennt zwar, dass der Wagen überarbeitet wurde, aber das Äußere ist im Vergleich zur Leistung relativ unscheinbar gehalten. Ein tiefergelegtes Fahrwerk mit breiteren Reifen und erweiterten Radkästen, ein anderer Auspuff, ein Sportlenkrad und digitale Anzeigen im Innern, selbst die Verstrebungen des Überrollkäfigs lassen noch nicht erkennen, wie weit die Tuner hier gegangen sind. Nicht zuletzt der GTD-Schriftzug am Heck lässt ja erstmal nur 70 PS als Ausgangsbasis erwarten. Aber hinter der Fassade beziehungsweise unter der Motorhaube zeigt sich, dass hier ein waschechter Sleeper steht. Im Innern werkelt ein 16V-Motor mit 2 Litern Hubraum, den es serienmäßig in diesem Auto nie gegeben hat. Zusätzlich wird er von einem Garrett-GTX42-Turbolader zwangsbeatmet. Über einen 4MOTION-Allradantrieb werden so tatsächlich 815 PS auf die Straße gebracht.

 

Apropos Straße …

Auf der Straße fehlt zwar der zusätzliche Lüfter des Prüfstands, aber dennoch sollte genug Leistung abrufbar sein, um so manchen Sportwagen oder „normal“ getunte Autos vor sich herzutreiben. Der Kostenfaktor für einen solchen Umbau ist allerdings nicht zu unterschätzen. 60.000 bis 80.000 Euro sind dafür schon fällig. Das gute Gefühl, einem vergleichbar teuren Wagen leistungsmäßig haushoch überlegen zu sein, ist im Preis inbegriffen. Wenn man dann auf der Autobahn sogar Porsche & Co. überholt, sind ungläubige Blicke vorprogrammiert.

Übrigens wären die Jungs von DMK Motoring keine Tuning-Verrückten, wenn sie sich nicht immer neue Ziele setzen würden. Denn mit einem HTA3794-Turbolader waren 2017 sogar 848 PS möglich. Damit haben die Tuner wohl den stärksten Oldtimer der Welt auf Basis eines Serienmodells erschaffen.

Kein Ende in Sicht? Mittlerweile ist DMK Motoring bei 848 PS angekommen.

Ihre Umbauten kann man übrigens auch auf Motorsportveranstaltungen bewundern. 2018 erreichten sie mit dem VW Golf 1 16V Turbo 4Motion und einem weiteren umgebauten Golf 2 VR6 Turbo 4Motion jeweils den ersten Platz in den Klassen 5 und 6 beim Race@Airport in Bottrop. Man darf also gespannt sein, was sie in Zukunft noch so vorhaben. Ob der Golf noch die 1.000 PS-Marke knackt?