Für viele Fans und Eigentümer der beliebten Kfz-Klassiker ist eine Oldtimer-Zulassung essentiell. Bei Online-Auktionen oder Inseraten ist sie oftmals sogar kaufentscheidend. Dafür gibt es drei Gründe:

  • Oldtimer sind Statussymbole.
    Wer einen Oldtimer sein Eigen nennt, besitzt laut Gesetz ein „kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut“. Dabei handelt es sich um Fahrzeuge, die trotz ihres Alters in einem erhaltenswerten Zustand sind. Auf offiziellen Anlässen sind Oldtimer häufig ein fester Bestandteil.

  • Die Steuer- und Versicherungsbeiträge sind wegen eingeschränkter Nutzung vergünstigt.
    Wird Ihr Pkw oder Lkw zum Oldtimer eingestuft, zahlen Sie jährlich nur 191€ Steuern – für Ihr Oldtimer-Motorrad sogar nur 46€ im Jahr. Viele Haftpflichtversicherungen bieten zudem vergünstigte Beiträge für Oldtimer. Allerdings dürfen historische Fahrzeuge nur eingeschränkt genutzt werden – ein Alltagsgebrauch ist unzulässig.

  • Oldtimer sind von der Umweltplakette befreit.
    Nicht viele der älteren Kfz-Vertreter dürfen ohne Weiteres sämtliche Umweltzonen befahren. Mit einem Oldtimer-Kennzeichen ist das aber auch ohne Umweltplakette möglich.

Außerdem profitieren Oldtimer-Inhaber von einer riesigen Community, deren Mitglieder sich sowohl in Vereinen als auch in Online-Foren austauschen. So können Sie sich auch als Oldtimer-Neuling wichtiger Informationen bedienen. Beliebt sind auch die zahlreichen Oldtimer-Treffen, auf denen sich begeisterte Nostalgiker gegenseitig ihre Fahrzeuge präsentieren.

Wie Sie am einfachsten ein Oldtimer-Kennzeichen bekommen und welche Anforderungen Ihr Fahrzeug dazu erfüllen muss, erfahren Sie im Folgenden.

Anforderungen

Bevor Sie sich mit Ihrem Kfz auf den Weg zur Zulassungsbehörde machen, sollte Ihr Fahrzeug einige grundsätzliche Anforderungen erfüllen:

  • Das Kfz ist mindestens 30 Jahre alt.
  • Ein Oldtimer-Kennzeichen bekommen nur Fahrzeuge, die 30 Jahre alt oder älter sind. Das bedeutet, dass die Erstzulassung des Fahrzeugs mindestens 30 Jahre her sein muss. Ausnahmen von dieser Regel gibt es nur bei extrem seltenen Modellen.
  • Das Kfz ist in einem guten und weitestgehend originalen Zustand.
    Für die Zulassung zum Oldtimer muss sich Ihr Fahrzeug in einem originalgetreuen Zustand befinden. Dazu gehören nicht nur originale Bauteile wie Motor oder Kupplung, sondern auch ein zeitgenössisches Erscheinungsbild. Die Faustregel: Ihr Kfz sollte idealerweise so aussehen, als wäre es direkt seiner Entstehungszeit entsprungen.
  • Das Kfz ist in einem technisch einwandfreien Zustand.
    Damit Sie mit Ihrem Oldtimer keine Gefahr für sich und Ihre Mitmenschen darstellen, sollten sämtliche technischen Bauteile einwandfrei funktionieren. Auch tragende Teile sollten rostfrei und in gutem Zustand sein.

Mehr Informationen zu diesem Thema erhalten Sie im aktuellen Anforderungskatalog der Oldtimerrichtlinien und in den offiziellen Arbeitsanweisungen für Prüfer auf oldtimer-markt.de.

Wie Sie Ihr Fahrzeug am besten auf die Untersuchung vorbereiten, erfahren Sie im nachfolgenden Kapitel.

So kommen Sie am Einfachsten an Ihr Oldtimer-Kennzeichen: Tipps & Tricks

Manchmal entscheiden Kleinigkeiten darüber, ob Ihr Fahrzeug eine Zulassung zum Oldtimer erhält oder nicht. Damit Sie möglichst gut vorbereitet bei der Zulassungsstelle ankommen, haben wir die wichtigsten Tipps & Tricks in einer Checklist zusammengestellt.

  • Dokumentieren Sie jede Reparatur und / oder Restauration.
    Ein Oldtimer darf nur mit originalen oder originalgetreuen Ersatzteilen repariert und restauriert werden. Wenn Sie sämtliche Arbeiten an Ihrem Fahrzeug mit Rechnungen und Fotos dokumentieren, können Sie die technische Untersuchung beschleunigen. Denn durch die Dokumentation erhält der Prüfer einen Beleg dafür, dass sich Ihr Fahrzeug in originalgetreuem Zustand befindet.
  • Achten Sie auf eine zeitgenössische Lackierung.
    Die Frage nach der zeitgenössischen Lackierung ist nur schwer zu beantworten, weil die Richtlinien in diesem Punkt sehr ungenau formuliert sind. Lieber im Vintage-Look mit Patina oder frisch lackiert mit glänzendem Chromrahmen? Als Faustregel gilt: solange der Wagen noch wie ein Oldtimer aussieht, bleibt die Wahl der Lackierung weitestgehend Ihnen überlassen.
  • Vermeiden Sie erkennbare technische Neuerungen im Innenraum.
    Wenn Sie zum Beispiel ein neuwertiges Radio einbauen, achten Sie darauf, dass es sich in das zeitgenössische Cockpit einfügt. Gleiches gilt für frische Sitzbezüge oder sonstige Restaurationen im Innenraum. Tabu sind fest installierte Navigationsgeräte und andere technische Neuerungen, die kein zeitgenössisches Aussehen haben.
  • Umbau oder Tuning sind nur zulässig, wenn es zeitgenössische Belege dafür gibt.
    Änderungen an Ihrem Fahrzeug dürfen Sie nur dann vornehmen, wenn diese auch schon damals angeboten wurden. Selbstverständlich dürfen Sie Umbauten nur mit zeitgenössischem Zubehör durchführen. Auch neue Scheinwerfer müssen dem Original-Typ oder zeitgenössischen Alternativen entsprechen.
  • Sammeln Sie altes Bildmaterial zu Ihrem Oldtimer-Modell.
    Manchmal ist unklar, ob es sich bei dem untersuchten Fahrzeug um einen Oldtimer handelt oder nicht. Indem Sie alte Reportagen oder anderes Bildmaterial zu Ihrem Fahrzeug vorlegen, können Sie den Untersuchungsprozess beschleunigen. Viele Oldtimer-Foren und Vereine bieten eine umfangreiche Sammlung solcher Dokumente an.

Die Anforderungen für eine Oldtimer-Zulassung sind sehr komplex und für Einsteiger oft nicht leicht zu durchblicken. Sollten Sie daher noch offene Fragen haben, empfehlen wir, einen Experten aufzusuchen.

Wie die Untersuchung deines Fahrzeugs im Detail abläuft, erfahren Sie im folgenden Kapitel.

Das Oldtimer-Gutachten: So läuft die Untersuchung ab

Auf der Zulassungsstelle entscheidet sich, ob Ihr Wagen ein Oldtimer-Gutachten erhält oder nicht. Der Untersuchungsprozess gliedert sich in zwei Teile. Zuerst muss ein Vollgutachten überprüft oder erstellt werden. Danach wird untersucht, ob das Kfz die Anforderungen eines Oldtimers erfüllt.

Das Vollgutachten

Jedes Kfz braucht ein Vollgutachten, damit es am Verkehr teilnehmen darf. Idealerweise hat Ihr Wagen bereits ein Vollgutachten, wenn Sie ihn zur Zulassungsbehörde bringen. In folgenden Fällen muss jedoch eine Hauptuntersuchung (HU) durchgeführt werden, bevor das Kfz für eine Oldtimer-Zulassung infrage kommt:

  • Sie haben keine gültigen Papiere für das Fahrzeug
  • Das Kfz ist seit mehr als 7 Jahren stillgelegt
  • Es existiert keine Typengenehmigung der europäischen Gemeinschaft
  • Das Kfz ist aus Nicht-EU-Ländern eingeführt worden

Genauere Informationen zum Ablauf der HU entnehmen Sie folgendem Video:

 

Das Oldtimer-Gutachten

Mit einem Oldtimer-Gutachten darf Ihr Kfz ein Oldtimer-Kennzeichen tragen. Die Untersuchung läuft wie folgt ab:

  1. Identifikation des Fahrzeugs
    Zuerst muss der Prüfer feststellen, um welches Kfz-Modell es sich handelt. Dazu benötigt er entweder die Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN), die Teileprüfnummer (TP-Nummer) oder die Motornummer. Mithilfe einer Online-Datenbank wird dann abgeglichen, ob das Kfz dort als Oldtimer eingetragen ist.

  2. Technische Untersuchung
    Danach findet die technische Untersuchung statt. Hier untersucht der Prüfer, ob das Kfz aus Originalteilen besteht und funktionsfähig ist. Auch das zeitgenössische Aussehen wird hier berücksichtigt.

  3. Ausstellung des Prüfberichts
    Mit einer Online-Datenbank wird nun überprüft, ob die technischen Werte Ihres Kfz mit den offiziellen Werten übereinstimmen. Danach erhalten Sie den Prüfbericht. Dort sind die Ergebnisse der Untersuchung für Sie festgehalten. Im Idealfall erhalten Sie außerdem ein Oldtimer-Gutachten dazu, mit dem Sie Ihr Fahrzeug zulassen können.

Welche Möglichkeiten Sie bei der Zulassung Ihres Kfz als Oldtimer haben, erfahren Sie im nächsten Kapitel.

Zulassungsmöglichkeiten: Das H-Kennzeichen und das rote 07’er-Kennzeichen

Derzeit gibt es zwei Arten von Oldtimer-Kennzeichen. Diese erfüllen jeweils unterschiedliche Anforderungen. Welches am besten zu Ihren Bedürfnissen passt, erfahren Sie im Folgenden.

Die Unterschiede im Überblick: H-Kennzeichen vs. rotes Wechselkennzeichen

Das H-KennzeichenDas rote 07’er-Kennzeichen
Nur für ein Kfz zulässig Für mehrere Kfz verwendbar
Kaum Nutzungseinschränkungen Alltagsgebrauch und öffentliches Parken verboten
Regelmäßige Hauptuntersuchung nötig Regelmäßige Hauptuntersuchung entfällt
Ausrufezeichen Oldtimer sind keine Alltagsfahrzeuge! Historische Fahrzeuge dienen dem Erhalt automobilen Kulturguts. Dementsprechend dürfen Oldtimer nur eingeschränkt im Alltag gebraucht werden. Sie benötigen daher ein angemeldetes Alltagsfahrzeug, bevor Sie einen Oldtimer zulassen können.

Das H-Kennzeichen: Für Privatnutzer

Im Grunde verhält sich das H-Kennzeichen wie ein normales Kfz-Kennzeichen, das nur an einem Fahrzeug verwendet werden darf. Somit ist es auch unerlässlich, dass Sie regelmäßig eine Hauptuntersuchung durchführen lassen.

Mit einem H-Kennzeichen profitieren Sie von einem geringen Steuersatz und häufig einer vergünstigten Haftpflichtversicherung.

Zudem dürfen Sie mit einem H-Kennzeichen in Deutschland auch ohne Plakette alle Umweltzonen befahren.

Da historische Fahrzeuge nicht für den Alltagsgebrauch gedacht sind, benötigen Sie für die Zulassung eines H-Kennzeichens ein bereits angemeldetes Alltagsfahrzeug.

Das rote 07’er-Kennzeichen: Für Sammler

Sie besitzten eine Sammlung, die mehrere Oldtimer umfasst? Dann könnte das rote Wechselkennzeichen interessant für Sie sein. Dieses Kennzeichen darf nämlich für mehrere Fahrzeuge verwendet werden, solange deren Daten in dem dazugehörigen Fahrzeugscheinheft eingetragen sind. Auch die regelmäßige Hauptuntersuchung entfällt in den meisten Fällen.

Obwohl Sie mit dem roten 07’er-Kennzeichen so viele Oldtimer-Fahrzeuge fahren können wie Sie wollen, zahlen Sie Steuern für lediglich ein Kfz – nämlich für dasjenige mit dem höchsten Steuersatz. Dem H-Kennzeichen entsprechend dürfen Sie auch mit dem roten Kennzeichen in Deutschland alle Umweltzonen befahren.

Allerdings ist die Nutzung des Wechselkennzeichens stark eingeschränkt:

  • Der Alltagsgebrauch ist unzulässig.
    Das rote 07’er-Kennzeichen darf nur benutzt werden, um das Kfz auf Rallyes oder Oldtimer-Treffen zu befördern. Erlaubt sind außerdem „Probe- und Prüfungsfahrten sowie Fahrten zum Zwecke der Reparatur und Wartung“. Hierzu muss ein Fahrtenbuch geführt werden.

  • Öffentliches Parken ist verboten.
    Kfz mit roter Wechselnummer dürfen nicht auf öffentlichen Parkplätzen abgestellt werden. Es ist daher hilfreich, wenn Sie Zugang zu Privatgelände haben, auf dem Sie Ihre Oldtimer abstellen können.