12.08.2020

GTÜ-Statistik: Warum dein Fahrzeug älter als 23 Jahre sein sollte

Sind alte Autos weniger sicher als moderne Fahrzeuge? Und falls ja, welchen Klassiker kann ich bedenkenlos kaufen? Bei welchem Modell sind Probleme vorprogrammiert? Diese Fragen stellen sich viele Interessenten von Oldtimern, vor allem Neulinge in der Szene. Zwar muss man natürlich jedes Fahrzeug individuell sehen, aber einen guten Überblick über mögliche Mängel bietet vorab die jährliche Oldtimer-Statistik der GTÜ.

Jedes Jahr untersucht die Gesellschaft für Technische Überwachung mbH (GTÜ) den technischen Zustand unzähliger Autos und wertet für ihre Oldtimer-Statistik die Zuverlässigkeit der über 30-jährigen Kraftfahrzeuge aus. Besonderes Augenmerk werfen die Ingenieure auf die „neuen“ Klassiker, deren älteste Baujahre gerade diese Altersgrenze überschritten haben.

In der aktuellen Statistik für 2019 sind wieder viele Youngtimer hinzugekommen, die nun mit dem begehrten, weil steuerlich günstigen H-Kennzeichen als „kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut“ fahren dürfen. Die Ergebnisse sind sehr erfreulich. Denn die bei der Hauptuntersuchung erfassten 30 bis 60 Jahre alten Fahrzeuge weisen insgesamt nur eine Mängelquote von 17,9 % (erhebliche Mängel) auf. Damit unterbieten sie die Gesamtstatistik, in der alle, also auch die jüngsten Fahrzeuge mit einbezogen werden, um satte 4,1 %.

HU-Ergebnisse "neue" Oldtimer
Bildrechte:

Die Ergebnisse der „jungen Alten“ bei der Hauptuntersuchung.

Der Grund für das gute Abschneiden der Klassiker liegt laut GTÜ vor allem im guten Pflegezustand von Fahrzeugen mit H-Kennzeichen. Oldtimer-Fahrer achten überdurchschnittlich gut auf ihre Vehikel. Das ist kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, wie teuer und zeitaufwendig Restaurierung und Ersatzteilsuche mitunter sein kann – vom Anschaffungspreis mancher Exemplare ganz zu schweigen.

Am schlechtesten stehen die 23-jährigen da

Bis zu einem Fahrzeugalter von 23 Jahren beobachtet die GTÜ eine stetig ansteigende Mängelquote. Ein Youngtimer in diesem Alter ist offenbar noch nicht bei jedem Halter zum Liebhaberobjekt avanciert. Das hängt natürlich auch ein bisschen vom jeweiligen Fahrzeug ab. Auf jeden Fall, und da ist die Statistik eindeutig, sinkt die Mängelquote vom 23. Lebensjahr aufwärts kontinuierlich. Es hat aber nicht jeder ein Faible für sein altes Auto und pflegt es ausgiebig, um bald einen Klassiker in Topzustand in der Garage stehen zu haben. Über 30 Jahre alte Fahrzeuge werden auch ohne H-Kennzeichen als Alltagsautos auf den Straßen bewegt. Von 765.000 in Deutschland zugelassenen Fahrzeugen dieser Altersklasse sind nur 474.000 mit H-Kennzeichen unterwegs (Stand: 1. Januar 2019). Das schlägt sich auch in den Mängelquoten nieder. Ohne H-Kennzeichen sind immerhin 44,2 % mängelfrei, mit H-Kennzeichen schon 55,1 %. Geringe Mängel weisen 29,7 % der Autos ohne H-Kennzeichen und 27,1 % mit Oldtimerzulassung auf. Bei erheblichen Mängeln liegen die Werte bei 26,1 % ohne H-Kennzeichen und 17,8 % als „offizieller“ Klassiker.

Die Ältesten sind die Besten

Den mit Abstand besten Zustand bescheinigt die GTÜ übrigens den Vorkriegsklassikern. Von den zwischen 1920 und 1940 gebauten Fahrzeugen sind sogar 78 % mängelfrei, 16,8 % hatten geringe und nur 5,2 % erhebliche Mängel. Auf den ersten Blick ist das vielleicht erstaunlich, dass so alte Autos technisch so gut dastehen. Aber jenseits der üblichen Statements zur Wertarbeit früherer Zeiten ist auch hier der betriebene Pflegeaufwand maßgeblich. Wenn man bedenkt, was Autos aus dieser Zeit mittlerweile wert sind, ist es nachvollziehbar, dass sie überdurchschnittlich gut gepflegt werden und daher technisch meist in einem einwandfreien Zustand sind.

Aber auch die Neuzugänge mit Baujahr 1990, die gerade erst das offizielle Klassikeralter erreicht haben, sind durchaus zuverlässig. Die Einstiegsmodelle in die Welt der H-Kennzeichen heißen Audi 100 C4, BMW 3er (E36), Mercedes-Benz 500 E (W124), VW T4 und Golf Country, Ford Escort (5. Generation), Volvo 940 und Mazda MX-5. Sie sind technisch ausgereift, haben aber im Vergleich mit ihren aktuellen Nachfolgern eine noch überschaubare Elektronik. Ersatzteile gibt es zu Hauf, sollte tatsächlich einmal etwas getauscht werden müssen.

Bildrechte:

Fährt allen davon: Weniger Mängel als der Mercedes-Benz 500 E hat kein anderer junger Klassiker.

Sieger in puncto Mängelquote ist der Mercedes-Benz 500 E, bei dem die Hälfte der Fahrzeuge die Hauptuntersuchung mängelfrei überstanden hat und die Quote der erheblichen Mängel bei nur 10 % liegt. Auch mit dem Audi 100 und dem Golf Country ist man eher auf der sicheren Seite. Beim 3er-BMW halten sich mängelfreie Fahrzeuge und solche mit erheblichen Mängeln etwa die Waage. Häufiger als zu unsicher für den Straßenverkehr haben sich VW T4, Ford Escort oder Volvo 940 herausgestellt.

Bildrechte:

Die Kehrseite der Medaille: Die Kombiversion Mercedes-Benz 230 TE der Baureihe 124 durfte 2018 oft nicht mehr selbst fahren.

Als absoluter Mängelkönig hat sich 2018 mit einer Mängelquote von 33,58 %, also über einem Drittel Fahrzeugen mit erheblichen Mängeln der Mercedes-Benz 230 TE herausgestellt, gefolgt vom Mercedes-Benz 190 E mit 27,05 % erheblichen Mängeln und dem VW Scirocco mit 25,90 %.

Die Flops aus dem Jahr 2018
Bildrechte:

Die Flop 30 aus dem Jahr 2018.

Auf die Pflege kommt es an

Bei aller Liebe zu Zahlen muss aber auch ganz klar gesagt werden, dass in der Statistik alle bei der Hauptuntersuchung vorgeführten Autos eines Modells ausgewertet worden sind. Gerade die auf den ersten Blick „schlechten“ Autos findet man noch oft im harten Alltagseinsatz ohne Garagenplatz, liebevolle Pflege und ausschließlicher „Sonnenscheinausfahrt“. Ihre alltägliche Treue wird ihnen also nicht unbedingt durch regelmäßige Wäschen und Inspektionen gedankt.

Bildrechte:

Pflegezustand nicht erkennbar: Gerade Fahrzeuge wie der VW T4 werden als Handwerker- und Lieferfahrzeuge gefahren, bis nichts mehr geht.

Der Zusammenhang zwischen Zuverlässigkeit oder Unzuverlässigkeit und Pflege zeigt sich auch an Kandidaten, die sowohl in der Top- als auch in der Flop-Liste platziert sind. So erreicht beispielsweise der BMW 318i Platz 21 bei den mängelfreien Fahrzeugen, zugleich aber auch Platz 4 bei den Sorgenkindern mit erheblichen Mängeln. Auch der Porsche 924 ist hier zu nennen: Platz 12 bei den mängelfreien, Platz 22 bei den Fahrzeugen mit erheblichen Mängeln. Die Flop-30-Statisik zeigt übrigens auch, dass hierzulande vor allem deutsche Fabrikate lange gefahren werden. Erst auf Platz 26 findet sich mit der allseits beliebten Ente, dem Citroën 2CV ein ausländisches Fahrzeug.

Bildrechte:

Der VW Käfer landet 2018 im Flop 30-Ranking mit 17,46 % erheblichen Mängeln zwar nur auf Platz 30, aber dieses Exemplar bekommt bestimmt keine TÜV-Plakette mehr.

Fazit

Oldtimer sind wirklich zuverlässige und technisch sichere Autos. Der Mehraufwand in der Pflege, der neben der Sicherheit vor allem dem Werterhalt dient, ist für und Liebhaber „kraftfahrzeugtechnischer Kulturgüter“ selbstverständlich und wird gerne in Kauf genommen. Auch für Youngtimer, die noch auf ihr H-Kennzeichen warten müssen, gilt: Sie sind überdurchschnittlich zuverlässig und ermöglichen – vor allem ab einem Alter von 23 Jahren aufwärts – einen relativ erschwinglichen Einstieg in das Hobby „Klassiker fahren“.