Schwacher Start – die Modellreihe C1

Als Harley Earl, Chef-Designer des amerikanischen Automobilriesen General Motors, im September 1951 ein Autorennen verfolgte, kam ihm die Idee, einen neuen Sportwagen zu konstruieren. Im Juni des folgenden Jahres gab General Motors grünes Licht für die Produktion der von Earl konzipierten Chevrolet Corvette im GM-Werk in Flint, der „Vehicle City“ im US-Bundesstaat Michigan. Am 30. Juni 1953 rollte die erste Einheit der Modellserie C1 vom Band. Doch schnell stellten sich Probleme ein. Montageschwierigkeiten und die Kapazität des Werks in Flint ließen im ersten Jahr lediglich die Produktion von 315 Exemplaren des Wagens zu. Hinzu kam noch, dass der zweisitzige Roadster mit seinem Sechszylinder-Motor nicht mit europäischen Sportwagen aus Deutschland oder Italien mithalten konnte. Er hatte nur eine Spitzengeschwindigkeit von 172 Stundenkilometern bei einer Leistung von 150 PS. Die gleiche Geschwindigkeit holte Porsche im 356er in der 1500 S-Version aus nur vier Zylindern mit 70 PS. Der legendäre Porsche 550 Spyder schaffte mit seinem 1,5-Liter-Boxermotor bei 110 PS satte 225 Stundenkilometer. Auch die italienische Konkurrenz war deutlich besser aufgestellt. Der Ferrari 166 MM von 1953 erreichte mit 160 PS eine Spitzengeschwindigkeit von 200 Stundenkilometern, der Ferrari 375 America aus dem gleichen Jahr hatte bereits brachiale 300 PS.

Die Ur-Version der Modellreihe C1Die Ur-Version der Modellreihe C1

Geschickte Modellpflege ebnet den Weg zum Erfolg

Trotz der übermächtigen europäischen Konkurrenz stellte General Motors das Projekt aber nicht ein, sondern verpflichtete 1953 mit Zora Arkus-Duntov einen neuen Cheftechniker für die Weiterentwicklung des Wagens. Arkus-Duntov war 25 Jahre lang für die Geschicke des Autos verantwortlich und wurde dafür später auch „Mr. Corvette“ genannt. Für das bis dato wenig beliebte Auto war der junge Ingenieur ein absoluter Glücksfall. Nachdem das Design mit Steinschlaggittern für die Scheinwerfer und kleinen Heckflossen bereits von Anfang an Sportlichkeit und Eleganz ausstrahlte und die glasfaserverstärkte Kunststoffkarosserie das für Sportwagen nötige geringe Gewicht ermöglichte, verpasste der neue Mann dem Antrieb zwei Jahre später eine Rosskur. Er tauschte den schlappen Motor gegen einen V8-Small Block mit 4,3 Litern Hubraum, der immerhin schon 195 PS leistete und stellte der bisherigen Zweistufen-Automatik als Option ein Schaltgetriebe mit drei Gängen zur Seite. Ein Jahr später wurden die Heckflossen gekappt und die markanten Einbuchtungen der Seitenflanken hinter den Vorderrädern gesetzt, die die späte C1-Baureihe optisch stark prägen. 1958 kamen statt zwei Scheinwerfern vier und schließlich 1961 vier Rückleuchten und ein damit verbundenes neues Heckdesign, das schon die Optik der ab 1962 produzierten C2-Baureihe vorweg nahm. Für amerikanische Autos einzigartig war auch die Einzelradaufhängung, die europäischen Sportwagenfahrwerken allerdings technisch hinterherhinkte.

Die Facelift-Version der C1 mit der rot-weißen Lackierung fuhr auch der Privatdetektiv Nick Ryder in der US-Serie Trio mit vier Fäusten (anonym, Corvette-je-1958, CC BY-SA 3.0)Die Facelift-Version der C1 mit der rot-weißen Lackierung fuhr auch der Privatdetektiv Nick Ryder in der US-Serie Trio mit vier Fäusten (anonym, Corvette-je-1958, CC BY-SA 3.0)

Der „Stachelrochen“ – die Modellreihe C2

Neben der Aufwertung des Serienmodells brachte man 1957 eine Rennversion „SS“ des Wagens auf die Straße. Hinzu kamen die Studien des Designers Bill Mitchell, inspiriert von Haien und Stachelrochen, die die markigen Namen „Mako Shark“ mit einer der Optik eines Haifisches ähnelnden Lackierung und „Sting Ray Racer“ mit einer flacheren, einem Stachelrochen nachempfundenen Karosserie mit Lufteinlässen in der Motorhaube trugen. Die Karosserieform dieser Studien blieb in ihren Grundzügen der ab September 1962 gebauten Modellreihe C2 erhalten. Sie gab dem Auto nun vollends den Look eines ernstzunehmenden Sportwagens. In der zugespitzten Frontpartie waren klappbare Scheinwerfer eingebaut und die Seitenlinie war mit einer markanten Falte betont. Über den Kotflügeln fanden sich massive Wölbungen und anstelle der Einbuchtungen hinter den Vorderrädern gab es große Lufteinlässe. Der Name „Sting Ray“ wurde zum Synonym für die Modellreihe C2. Neben einer Coupé-Variante gab es jetzt vor allem auch eine größere Motorenpalette, die im Lauf der Bauzeit der C2 von 5,4 Litern Hubraum mit 250 PS bis zu gigantischen 7,0 Litern Hubraum mit über 400 PS reichten. Insgesamt übertraf die bis Juli 1967 gebaute C2 mit 117.964 verkauften Fahrzeugen die Ur-Version um ein Vielfaches.

© Jörgens.mi / CC BY-SA 3.0, Chevrolet Corvette C2 (Kirchzarten) jm20726, CC BY-SA 3.0© Jörgens.mi / CC BY-SA 3.0, Chevrolet Corvette C2 (Kirchzarten) jm20726, CC BY-SA 3.0

Das legendäre 1963-Modell

Das legendäre 1963-Modell

Der wohl als Oldtimer meistgesuchte „Stachelrochen“ ist das 1963er-Modell. Angeblich führte ein Streit zwischen Designer Bill Mitchell und Chefingenieur Zora Arkus-Duntov dazu, dass der Mittelsteg im Heckfenster ab 1964 entfiel und die 1963er-„Split-Window-Vette“ so zur Rarität wurde.

Die Coca-Cola-Flasche als Vorlage für einen Klassiker

Ab 1968 gab es die Modellreihe C3 zu kaufen, die für die meisten Oldtimer-Fans heute die typische Corvette ist. Mit einer Bauzeit von 15 Jahren und bis Oktober 1982 insgesamt 542.861 gebauten Einheiten übertraf sie ihre beiden Vorgänger noch einmal deutlich. Die taillierte Linienführung erinnert entfernt an die Flaschen von Coca Cola. Der Wagen hat daher auch den Beinamen „Coke Bottle Shape“-Corvette bekommen. Es gab sie als Coupé, bei dem Teile des Daches herausgenommen werden konnten, und bis 1976 auch als echtes Cabrio. Zwischen 1970 und 1974 war die „Coke Bottle“ zudem mit einem Motorenungetüm mit 7,4 Litern Hubraum und 425 PS zu haben. Der Beiname „Stachelrochen“ blieb erhalten, wurde nun aber „Stingray“ geschrieben.

Das C3-Coupé, Frontansicht (by Barnstarbob at English Wikipedia), CC BY-SA 3.0, Link

Zweifelhafter Ruf und neue Wege

Mit der C3, die in Deutschland einen fragwürdigen Ruf als Sportwagen von Größen aus dem Rotlichtmilieu bekommen hatte oder weniger freundlich als „Zuhälterkarre“ oder auch „Ludenschleuder“ bezeichnet wurde, endet die Zeit der klassischen Corvette. Das ab 1983 gebaute Nachfolgemodell C4 war zwar weiterhin beliebt, wird aber von Fans nicht mehr als Klassiker angesehen. Neben dem Image wurden auch die Fahreigenschaften durchaus kritisch bewertet. Erst mit der Modellreihe C5 ab 1997 war der Wagen nach europäischen Maßstäben renntauglich und wurde mit Erfolg in der GT1- und GT3-Klasse und beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans eingesetzt. Seit 2013 schickt General Motors die mittlerweile siebte Generation – oder anders gesagt, die C7 – ins Rennen. Immer noch von einem V8-Small Block angetrieben, leistet sie 466 PS. Die Karosserie verbindet eine moderne Sportwagenoptik mit klassischen Corvette-Details und trägt noch immer den Beinamen „Stingray“. Die Rennsportversion Z06 leistet mittlerweile 659 PS, ist aber natürlich kein Oldtimer und nichts mehr für Liebhaber von klassischen Sportwagen.