Rennsport als Leidenschaft

James Dean liebte schnelle Autos und den Rennsport. Vor seiner Filmkarriere wollte er selbst Rennfahrer werden und Grand-Prix-Rennen gewinnen. Sein lukrativer Vertrag mit der Filmgesellschaft Warner Brothers bot ihm den finanziellen Spielraum dafür. Schon vor seinem Spyder fuhr Dean Porsche. Er besaß einen Porsche 356 Speedster 1500 S mit 1,5 Litern Hubraum und 70 PS, mit dem er auch schon Rennen gefahren war. Anfang September 1955 gab er diesen Wagen in Zahlung und kaufte sich den 550er, der mit ebenfalls „nur“ 1,5 Litern Hubraum in den USA ein absoluter Exot war. Mit seinem geringen Gewicht von nur ca. 550 kg, das durch eine Leichtbaukarosserie mit Flachrahmenkonstruktion aus Aluminium verwirklicht werden konnte, und einem 110 PS starken Vierzylinder-Boxer-Mittelmotor mit einem Drehmoment von 117 Nm bei 5000 Umdrehungen pro Minute, war der kleine Roadster von Porsche in erster Linie ein Rennauto. Er erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von etwa 225 Stundenkilometern. In Deutschland wurden seinerzeit mehr als 24.000 DM für einen 550er aufgerufen. Damit war er sechsmal so teuer wie ein VW Käfer und immer noch doppelt so teuer wie ein Porsche 356, das erste Serienmodell der Stuttgarter Autoschmiede.

Wie viel kostet ein Porsche 550 Spyder heute?

Wie viel kostet ein Porsche 550 Spyder heute?

Als Oldtimer ist der Porsche 550 Spyder heute unbezahlbar, denn es wurden zwischen 1953 und 1957 nur 118 Stück gebaut. Ein Modell des gleichen Baujahrs wie der Wagen James Deans wurde 2012 in den USA für umgerechnet 2,79 Millionen Euro versteigert.


Softeis~enwiki, Porsche-550-spyder, CC BY-SA 3.0

 

Tragischer Unfall am 30. September 1955

James Dean hatte gerade das Drama „Giganten“ abgedreht. Während der Dreharbeiten hatte man ihm verboten, Rennen zu fahren, jetzt wollte er sich wieder im Motorsport beweisen. Der Porsche-Rennmechaniker Rolf Wütherich, der selbst Erfahrung als Rennpilot hatte, empfahl Dean, seinen neuen Spyder vorsichtig einzufahren, bevor er damit auf die Rennstrecke gehen würde. Doch schon bei den ersten Probefahrten in der Nähe von Los Angeles baute Dean einen Unfall. Nach der Reparatur wurde die Motorhaube mit der Startnummer 130 und das Heck mit dem Schriftzug „Little Bastard“ versehen – ein Spitzname, den Dean am Set von „Giganten“ bekommen hatte.

 

An einem Freitag, dem 30. September 1955, holte Wütherich den Porsche morgens in der Werkstatt der Firma Competition Motors in Los Angeles ab und machte sich mit Dean auf den Weg nach Norden in Richtung der kalifornischen Stadt Salinas, wo das erste Rennen mit dem neuen Wagen stattfinden sollte. Ursprünglich wollten die beiden den Spyder per Anhänger zum Rennort schaffen, aber Wütherich empfahl Dean, die Überführung zum Eingewöhnen zu nutzen. Das Ende der Fahrt schildert der Polizeibericht: Am Nachmittag ereignete sich auf der Route 466 (heute 46) bei Cholame an der Einmündung des Highways 41 ein folgenschwerer Verkehrsunfall. Der Fahrer eines linksabbiegenden Ford Tudor übersah den mit etwa 90 bis knapp 100 Stundenkilometern herannahenden Porsche mit James Dean und Rolf Wütherich und nahm ihm die Vorfahrt. Die Wagen kollidierten in der Einmündung und Wütherich wurde etwa 30 Meter weit aus dem Auto geschleudert. Er brach sich dabei den Kiefer und wurde an der Hüfte und den Beinen schwer verletzt, überlebte den Unfall aber. Auch der Fahrer des anderen Wagens, Donald Turnupseed, ein 23-jähriger Student an der polytechnischen Universität von Kalifornien, kam mit ein paar Schrammen an der Nase und im Gesicht davon. Vielleicht verhinderte die massige Stahlkonstruktion seines etwa dreimal so schweren Wagens Schlimmeres. James Dean hingegen brach sich das Genick und starb unmittelbar durch den Aufprall in seinem Porsche. Das Ganze trug sich laut Polizeibericht etwa um 17:45 Uhr zu, die Polizei war um 17:59 Uhr vor Ort und konnte dem jungen Schauspieler nicht mehr helfen.



Der Mythos des rasenden Filmstars

Die Geschwindigkeit, mit der James Dean und Rolf Wütherich unterwegs waren, wurde später mit bis zu 170 Stundenkilometern oft viel zu hoch angegeben. Computergestützte Unfallrekonstruktionen in den 1990er-Jahren haben ergeben, dass die beiden nur etwa 55 bis 60 Meilen schnell, also noch nicht einmal mit 100 Stundenkilometern unterwegs waren. Mehr dazu erfährst du im folgenden Video, das eine Unfallanalyse aus den 1990er-Jahren zeigt.

Vielleicht spielte bei der Geschwindigkeitsschätzung auch eine Rolle, dass Dean im Verlauf der Fahrt südlich von Bakersfield ein Strafmandat wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung von zehn Meilen pro Stunde erhalten hatte. Auf jeden Fall passte die Hochgeschwindigkeitsvariante als Unfallerklärung besser zum Image des jugendlichen Draufgängers, die Dean in seinen Rollen verkörperte. Tragischerweise hatte er noch kurz vor dem Unfall einen TV-Spot für Verkehrssicherheit gedreht, in dem er angab, die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu beachten und „extrem vorsichtig“ zu fahren. Der Spot endete mit den Sätzen: „Übertreiben sie es nicht beim Autofahren. Das Leben, dass sie retten, könnte meines sein.“ Der britische Schauspieler Sir Alec Guinness soll zu Dean gesagt haben: „Wenn du diesen Wagen fährst, wirst du nächste Woche um diese Zeit nicht mehr leben.“ Er sagte es genau sieben Tage vor dem Unfall um 22 Uhr – eine Vorahnung?



Der Fluch des „Little Bastard“

Die Wrackteile des verunglückten Porsche waren begehrt, brachten ihren neuen Besitzern aber kein Glück: Der Autotuner George Barris aus Hollywood kaufte das Wrack für 2.500 US-Dollar. Der Wagen kippte von der Ladefläche und brach einem seiner Mitarbeiter beide Beine. Ein Arzt aus Beverly Hills, der den Motor erwarb, verunglückte damit kurz darauf in einem Amateurrennen, und auch der Käufer der intakt gebliebenen Hinterachse soll auf ungeklärte Weise zu Tode gekommen sein. Die neuen Eigentümer des Getriebes und der beiden noch intakten Reifen erlitten ebenfalls schwere Unfälle. Die Karosserie des Wagens verschwand schließlich, als sie mit einer James-Dean-Moritäten-Show auf Tournee durch die USA gehen sollte. Gerüchten zufolge soll der Oldtimer später in einer Garage in Los Angeles gestanden haben, dessen Eigentümer ebenfalls auf tragische Weise ums Leben kam: Michael Jackson starb 2009 an einer Überdosis eines von seinem Hausarzt verschriebenen Narkosemittels. Auch Rolf Wütherich, der ein Jahr nach dem Unfall einen erbitterten Schadenersatzprozess gegen die Nachkommen von James Dean führte, prallte 1981 stark alkoholisiert mit dem Auto gegen eine Hauswand. Donald Turnupseed hatte den Unfall zwar überlebt, erntete dafür aber den Hass der James Dean-Fans und erhielt Morddrohungen. Über die Ereignisse des 30. Septembers 1955 sprach er nie.

Replika des 550 Spyder “Little Bastard” von James DeanReplika des 550 Spyder “Little Bastard” von James Dean, Brad Hammonds, James Dean Prague, CC BY 2.0

Ein Unfall – zwei Legenden

James Dean und sein Porsche 550 Spyder wurden durch diesen Unfall zu Legenden. Aus einem jungen Schauspieler wurde ein Mythos der ewigen Jugend, der bis heute fortlebt. Die Sportwagenmarke Porsche avancierte zum Autohersteller für Draufgänger und Unangepasste – wer Porsche fuhr, war ein Rebell. Die Bekanntheit der Marke steigerte sich durch den Unfall schlagartig. Immerhin baute man erst seit sieben Jahren Autos unter diesem Namen. Vor allem in den USA war Porsche bis dato nur einem kleinen Kreis Eingeweihter in der Rennsportszene ein Begriff. Letztlich ebnete die Tragödie des James Dean der Sportwagen-Stilikone Porsche 911 den Weg, die fast zehn Jahre später auf den Markt kam.