Von gut besuchter Rennstrecke zum Naturschutzgebiet: Die Solitude

Bis zum Jahr 1965 war die „Solitude“ eine der meistbesuchten Rennsportveranstaltungen der Welt. Die 1903 erstmals für Motorrad-Bergrennen zum Lustschloss des Herzogs Carl Eugen verwendete Strecke entwickelte sich in der Nachkriegszeit zu einer überproportional gut besuchten Veranstaltung, an deren Rundstreckenrennen für Motorräder und Rennwägen bis zu 400.000 Zuschauer den Straßenrand säumten. Heute sind die als Verbindungsstraßen genutzten Streckenabschnitte weitestgehend Natur- und Landschaftsschutzgebiet; der Geist der goldenen Motorsport-Ära ist nur in Ansätzen spürbar. Doch immer, wenn das Solitude-Revival stattfindet, lässt sich erahnen, wie aufregend diese Zeit gewesen sein muss.

Die vom ADAC und dem MCS (Motorsport-Club-Stuttgart) initiierte Rennsportveranstaltung war zwar schon in den 20er Jahren beliebt; doch erst nach dem zweiten Weltkrieg konnte sich ein regelrechter Hype um die Solitude entwickeln. Die Fahrbahn wurde ausgebaut, mit griffigerem Belag versehen und ein Start- sowie Zielhaus mit Boxenanlage errichtet. Für viele Jahre galt die 11,7 km lange Solitude-Strecke laut ONS (Oberste Nationale Sportkomission) als eine der sichersten Europas. Doch immer komplexer werdende Sicherheitsansprüche zwangen die Veranstalter im Jahr 1965 dazu, die Solitude-Ära zu beenden. Denn die Strecke wurde, wenn dort kein Rennen stattfand, immer auch öffentlich genutzt, weshalb eine korrekte Instandhaltung unmöglich war.

Die Solitude-Rennstrecke ist also heute nur noch ein Ort der Erinnerung, an den viele Rennfahrer gerne zurückdenken. So schreibt Dan Gurney in seiner Liebeserklärung an die Solitude:

„Wenn ich heute an die Solitude zurückdenke, dann sehe ich Wald und Sonnenschein vor mir, grüne Hügel voller Menschen, geschwenkte Hüte und Fahnen und goldene Strohballen, eine breite, spiegelglatte Hochgeschwindigkeitsstrecke mit Steigungen und Talabfahrten, langen schnellen Geraden und einem Labyrinth von Kurven. Ich rieche wieder das ganz besondere Aroma vom Castrol der Motorräder und sehe meine Frau, mit der ich seit über zwanzig Jahren verheiratet bin, als junges Mädchen dort am Ausgang der Glemseck-Kurve stehen…“

An diesem wundervollen Ort also errichteten wir Freitagabend den Retromotion-Stand, direkt neben unserem Industriepartner „Mahle Classic Line“. Die Temperaturen machten uns zu schaffen, aber die Vorfreude auf das anstehende Event ließ uns stets ein wenig schneller, ein wenig motivierter voranschreiten, bis wir uns schließlich erschöpft zurücklehnen und die Abendsonne genießen konnten.

 

Das Solitude Revival 2019 – unsere Eindrücke

Bilder sagen mehr als Worte. Wir haben uns mit unzähligen begeisterten Oldtimer- und Rennsportfans unterhalten, rund 430 Fahrzeuge bestaunt und Rennsportlegenden wie Walter Röhrl getroffen. In unserer Slideshow geben wir dir ein paar Eindrücke von diesem großartigen Event.

 

Unser Highlight: Der Herbert Linge Sonderlauf

Die Porsche-Legende Herbert Linge ist der erste Lehrling des Zuffenhausener Automobilherstellers und gehört zu den vielseitigsten und wichtigsten Charakteren seiner Zeit. Er baute das Porsche-Kundendienstnetz in den USA auf, war als Rennmechaniker tätig, erzielte später als Rennfahrer unglaubliche 90 Klassensiege und wurde 1982 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, weil er durch die Initiierung der mobilen ONS-Sicherheitsstaffel maßgeblich zur Sicherheit im Rennsport beigetragen hat.

Linge sorgte dafür, dass Sportwägen mit Halon-Löschanlagen zu Rettungswägen umgebaut wurden und – von geschultem Personal gesteuert – die Rennfahrer auf der Strecke stets begleiteten. Er selbst saß mit dem Heidelberger Unfallarzt Dr. Eddie Rothenfelder hinter am Lenkrad eines ausrangierten Porsche 914/6 und sorgte dafür, dass verunglückte und brennende Rennfahrzeuge innerhalb von Sekunden gelöscht werden konnten. Die heute als „Lingecars“ bezeichneten Rettungsfahrzeuge werden weltweit eingesetzt und retteten unter anderem Niki Lauda das Leben.  

Zu Ehren Herbert Linges wurde dieses Jahr auf dem Solitude Revival zwei Mal der Herbert Linge Sonderlauf veranstaltet. Das besondere daran: Nur Porsche-Fahrzeuge aus Linges Rennsport-Ära waren auf der Solitude-Strecke zu sehen, darunter auch drei extrem gut erhaltene Exemplare aus dem Porsche-Museum. Das Motorgeräusch des von Walter Röhrl gefahrenen Porsche 718 RS 60 Spyder wird uns noch lange in den Ohren nachhallen…

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