29.07.2020

Der VW T2a „Emma“ von Klaus Jacklen

In unserer neuen Blogartikel-Serie stellen wir euch die beiden Sieger unseres Gewinnspiels vor, den “Bembelkäfer Karl” von Melanie Fischer und “Emma” von Klaus Jacklen. Wie schon Melanie zuvor hat auch Klaus wesentlich zur Entstehung des Artikels beigetragen und mit seinen eigenen Formulierungen und Erinnerungen diesen Artikel maßgeblich geprägt.

Dieser Blogartikel erzählt die Geschichte des VW T2a “Emma” und ihrem Besitzer Klaus, der uns vieles über sich und seine Liebe zu seinem Bus “Emma” erzählt hat. Angefangen davon, wie er sich mit dem “VW-Virus” infizierte, bis hin zu den unzähligen Nachtschichten in der Werkstatt und schönen Tagen, die er im Camper mit seiner Tochter verbrachte – lustige Anekdoten und technische Details inbegriffen.

Im Jahr 1977 ist ein kleiner, neunjähriger Junge unterwegs zur Grundschule. Auf dem Rücken trägt er einen braun-grünen Tornister mit Katzenaugen an den Verschlussschnallen. Für gewöhnlich schafft er den Weg zur Schule in knapp 10 Minuten, es sei denn es ist Blitzeis oder die alte Tankstelle an der letzten Ecke vor der Schule hat neue Fahrzeuge auf dem weißen Kiesel-Schotterplatz stehen.

An besagtem Morgen, als der junge Klaus Jacklen mit dem VW-Virus infiziert wurde, wie er es selbst nennt, standen dort drei wundervolle Volkswagen Transporter: Ein grüner 9-Sitzer, eine blaue Pritsche und ein weiß-gelber Camper. An diesem Morgen konnte er einfach nicht pünktlich zum Unterricht erscheinen, obwohl dort der Lehrer wie jeden Morgen mit einer Geschichte von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer aufwartete und die Klasse mit Geschichten rund um eine Dampflok begeisterte.

Für Klaus war es Liebe auf den ersten Blick

Noch konnte Klaus nicht ahnen, dass er 23 Jahre später selbst am Steuer seines VW T2a „Emma“ sitzen wird. Dies ist die Geschichte um eine Leidenschaft zu luftgekühlten Volkswagen, Klaus Jacklens Geschichte. “Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie Ferdinand Porsche oder schlafen sie in einem Westfalia Camper” – Zitat von Klaus.

Emma auf dem Weg in ein neues Jahrtausend

Im Jahr 2000 war es endlich soweit: Nach einer 3-jährigen Suche nach einem brauchbarem VW T2a fand ein VW-Kumpel von Klaus auf der Website des Oldtimer-Markts eine Anzeige und rief ihn umgehend an. Die Heimat des rot-weißen Westfalia-Campers, den er gefunden hatte, war 30 Jahre lang Villingen-Schwenningen im Schwarzwald gewesen. Ein paar Telefonate und Foto auf dem Postweg überzeugten Klaus, die Fahrt in den Schwarzwald auf sich zu nehmen. Dort angekommen wurde der 30 Jahre alte Bulli auf einem Parkplatz erst einmal durch Klaus von unten begutachtet, bestückt mit der Kaufberatung des Oldtimer-Markts, einer Taschenlampe, einem Schraubendreher und einer Latzhose, prüfte er ihn gründlich. Vorsichtiges Klopfen und intensives Leuchten in jede Ecke nahmen knappe 30 Minuten in Anspruch. „Die Lady sah von unten schon mal verdammt gut aus“.

Trotz seines stattlichen Alters war der Bus immer noch gut in Schuss.

Anschließend wurde die Campingausstattung in Augenschein genommen, alle Türen auf einwandfreie Funktion geprüft, in jedem Schrank nach Schimmel geschaut und auch gerochen. Das Pop-Up Dach geöffnet und das Bett umgeklappt. Fazit: Dieser nahezu „unverbastelte“ VW T2a Westfalia-Camper war in einem hervorragenden Zustand! Kaum benutzt zum Schlafen, jungfräuliche Schränke statt zersägter Eigenkreationen und weder Schimmel noch Schimmelgeruch. Nach abschließender Probefahrt wechselte der Bus für 11.500 DM den Besitzer und trat die Fahrt auf eigener Achse in Klaus‘ Heimat, ins Rheinland, an. Begleitet durch „The Riddle“ von Nik Kershaw, was gefühlt an diesem Samstag 128 x im Radio lief, kam der Bus am frühen Abend in seinem neuen Zuhause in Düsseldorf an. Die erste Erkenntnis war, dass der Bezugsstoff nicht der originale Westfalia-Stoff sein konnte.

Es folgte die erste Nachtschicht: Nach dem Lösen der ersten Klammern, mit denen der Stoff dilettantisch auf die Rücksitzbank getackert worden war, machte das „Original-Schrauberherz“ einen Salto, denn der beige gelb-orange Originalstoff war tatsächlich noch vorhanden. Eberspächer Standheizung, Kühlschrank nebst Spüle, Handpumpe und die Gardinen waren aber leider nicht mehr vorhanden, was der Freude von Klaus aber keinen Abbruch tat, denn der erste Urlaub stand vor der Türe.

Der Erste Urlaub: Bretagne, Frankreich

Die ersten Nächte verbrachten wir im Loire-Tal um ein wenig Abstand vom Alltag zu bekommen. Klaus nutze die Zeit, um vorsichtig den weißen Lack auf dem hinteren rechten Fenster zu entfernen und siehe da: Hinter der Glasscheibe, quasi der Rückwand des seitlichen Schrankes, tauchte die originale Gardine auf! Der Jäger & Sammler-Trieb von Klaus war zum Leben erweckt worden. Nach der ersten Urlaubstour recherchierte er, wo es den Polster- & Gardinenstoff damals noch gab und über das Westfalia-Register wurde Klaus fündig.

Den Innenraum hat Klaus komplett ausgenommen und restauriert.

An einem heißen Sommertag ging es in Richtung Frankfurt zu Michael Steinke, der Gardinenstoff in guter Nachfertigung, Polsterstoffe im Original und zwei neue Lamellenfenster in alter Bauform aus dem Westfalia-Museum auf Lager hatte. Durch die Gardinen war Emma dem Originalzustand schon ein Stückchen näher gekommen. Das Lamellenfenster wurde 3 Jahre später in die Schiebetüre eingebaut, nachdem das weiße Teil neu lackiert worden war. Rechtzeitig vor der Geburt seiner Tochter, wurde auch noch der 47-PS Motor in Wuppertal von Klaus in Eigenregie revidiert und das weiße Teil wurde innen sowie außen neu lackiert. Nach der Motorrevision ging es von Wuppertal auf eigener Achse nach Düsseldorf.

Eine Heimfahrt mit Hindernissen und der erste Campingurlaub

Auf dieser Fahrt verabschiedete sich zuerst das Radio, dann wurden die Scheibenwischer immer langsamer und das Licht immer dunkler, Porsche sei Dank ist Klaus an diesem Abend noch nach Hause gekommen, um direkt am nächsten Tag im Hellen zu forschen, wo das Problem lag. In diesem Fall war es der Regler der Lichtmaschine, der bei ausgebautem Motor wunderbar zu erreichen ist. Mittlerweile verrichtet der elektronische Regler seit 2003 seinen Dienst einwandfrei. Ab der Geburt seiner Tochter benutzte Klaus den Bus selten zum Campen. Das sollte erst wieder 2013 der Fall sein, obwohl er 1970 vom Band gelaufen ist. Klaus und seine Tochter Antonia entdeckten die Nordseeinsel Norderney für sich. Mit seinen eigenen Worten beschreibt er es als: „Drei Wochen Campingleben pur. Motor aus, Dach hoch Urlaub.“ Jeder, der die Insel kennt, weiß, dass man dort wunderbar zur Ruhe kommen oder nachts in der City feiern kann.

Urlaub auf der Norderney mit "Emma"

Jedenfalls war dieser Ort 2013 genau der richtige, um Frieden zu finden und mit dem Tod der Oma und des besten Freundes abzuschließen, Zeit mit der Tochter zu verbringen und weit weg vom Alltag Zuhause zu sein. Nach drei Wochen Sonnenschein stand der Bus am Fähranleger Richtung Festland, als ein älterer Herr auf Klaus zukam und von seinem Bus erzählte, der laut Erzählung ein T1 erster Serie sein musste. Während dieses Gesprächs „verkrümelte“ sich Klaus‘ Tochter nach hinten, um still zu weinen, denn anstatt nach Hause zu fahren wollte sie noch weiter auf der Insel bleiben und das Leben im Bus genießen. Die Urlaube auf Norderney sollten sich bis 2019 regelmäßig wiederholen. Inklusive drei Oldtimerfahrten auf der Insel mit 24 einheimischen Oldtimern. Die Urlaube auf Norderney boten Klaus immer wieder Ruhe und Zeit, den Bus genauer zu betrachten um den Radkastenkrebs jede „Session“ auf neue unter die Lupe zu nehmen, bis dann 2017 der Entschluss stand: „Diesen Winter wird der Bus untenrum geschweißt und lackiert“.

Der erste Filmauftritt

Zeitnah mit dem Entschluss kam ein Anruf eines Spielefahrzeug-Verleihers aus der Eifel, der dabei war, den passenden VW Bus für die Fernsehserie „Schloss Einstein“ zu finden. Im September 2017 ging es dann für Klaus, seine Tochter und Emma in Richtung Phantasialand auf einen Campingplatz zum Dreh dieser Kinderserie. Als sie schließlich auf dem Campingplatz ankamen, waren weit und breit keine Kinder der Serie zu entdecken, was sehr enttäuschend für Klaus‘ Tochter Antonia gewesen war, denn sie wurde extra für diesen Dreh von der Schule befreit. Bei der ganzen „Aktion“ gab es aber ein Missverständnis, denn plötzlich ging es um einen Fuß, der aus dem See geangelt wird und um einen Mordfall – Wie kann so etwas für die Kinderserie „Schloss Einstein“ gedreht werden?! Es stellte sich heraus, dass es der Dreh einer Krimiserie „Einstein“ mit Tom Beck als Einstein war. Nichts desto trotz war es ein toller Tag am Set. Vor allem das Catering rund um die Uhr und die Mitternachtspizza im Bus. Der Bus von Klaus war sogar Schauplatz einer intimen Szene, in der die Kriminaltechnikerin „Haley Louise Jones“ vom Schauspieler Remo Schulze verführt wurde.

Gemeinsames Überwintern in der Werkstatt

Die Herbstferien nach dem Dreh wurden genutzt, um den Bus zu „strippen“. Innenausstattung ausbauen und Stoßstangen demontieren, so dass der Wagen noch fahrbereit war und zum Schweißer gefahren werden konnte. In der Kfz-Werkstatt fiel dann die Entscheidung, dass Motor und Getriebe auch noch ausgebaut und revidiert werden mussten. Erstaunlicherweise war die Substanz des VW T2a sehr gut, so dass tatsächlich nur die Radläufe gemacht werden mussten. Das geschah dann während Motor und Getriebe beim Eisstrahlen waren. Ende November ging es schließlich auf einem Anhänger zum Lackierer. Dort wurden dann noch mit fleißigen Händen, Türen, Klappen & Beleuchtung ausgebaut, so dass der Lackierer anfangen konnte mit den Vorbereitungen für die Lackierung. Die Gefahr, in eine Winterdepression zu verfallen, bestand für Klaus nicht, denn es war einfach so viel zu besorgen und zu tun, um den Bus wieder hübsch zu bekommen. Jede freie Minute wurde fotografiert, teilweise fuhr er dafür noch vor der Arbeit schnell beim Lackierer vorbei.

"Emma" bekommt einen neuen Anstrich.

Alt-Teile wurden zerlegt, gereinigt und verpackt für den Einbau. Anfang Februar war es dann endlich soweit, Klaus‘ VW T2a „Emma“ hatte ihr neues Chianti-rotes Kleid an, doch zu diesem Zeitpunkt hatte sie noch keinen Namen. Dies sollte sich aber bald ändern. Dank der „5 Session“ im Rheinland war viel Zeit für Schrauben vorhanden. Klaus vom Schrauben begeisterte 13-jährige Tochter Antonia unterstützte ihn tatkräftig und die ein oder andere Nachtschicht stand an. An eine kuriose Anekdote aus dieser Zeit erinnert sich Klaus ganz besonders. Am Karnevalssamstag fuhr er mit dem 47PS Motorblock im Kofferraum und verdrecktem Blaumann nach Hause, als er in eine Polizeikontrolle geriet (während des Karnevals keine Seltenheit), „Die Jungs in Grün wollten mir nicht glauben, dass es sich um keine Verkleidung handelte und ob ich pusten würde, erst nach dem die Beamten den Blick in den Kofferraum warfen, schimmerte es bei den Herren in Grün – HELAU.“

Emmas Taufe und eine lebensgefährliche Situation

Bei einer der letzten Nachtschichten passierte Folgendes: Der iPod spielte auf Zufall Chris Rea`s Song „your warm and tender love“ - Gänsehaut pur. Der Song war es Wert, das Heizgebläse auszuschalten und das Licht in der Lackierhalle so weit wie ging zu löschen. Nachdem Klaus den Song ca. fünf Mal „inhaliert“ hatte und halb durchgefroren vor dem Bus saß, war es Zeit Feierabend zu machen. Schließlich war es schon 2:30 Uhr in der Früh. Als er gerade dabei war, die Werkstatt zu verschließen, kam ihm dann plötzlich in den Sinn: „Feierabend EMMA“, wie die Lokomotive von Lukas dem Lokomotivführer. Ende April war Emma wieder komplett. Getriebe und Motor waren eingebaut und es ging auf die erste Fahrt zum Montieren der Stoßstangen und der AHK. Im Mai stand dann der TÜV-Termin mit der IG Pendelachse an. Eigentlich war er nur zum Scheinwerfer einstellen dort, aber da er schon mal da war, warum nicht auch auf den Bremsenprüfstand. Das Ergebnis des Tests: Die Scheibenbremsen zogen nicht perfekt. Mit dem Hinweis, das in Kürze zu beheben verließen Klaus und seine Tochter das TÜV-Gelände und wollten Emma zurück in die Scheune bringen.

Auf der Landstraße ging es rauf und runter und plötzlich kam eine rote Ampel, an der bereits zwei Fahrzeuge standen. Klaus versuchte zu bremsen und drückte das Pedal bis zum Boden, doch es gab keinerlei Bremswirkung! Geistesgegenwärtig schaltete Klaus in den zweiten Gang und zog vorsichtig die Handbremse. Das Umschlagen der Ampel auf Grün und Klaus‘ kühler Kopf haben die Situation gerettet. Vorsichtig fuhren die beiden einen schattigen Parkplatz an und riefen den ADAC. Doch was war passiert? Bremsflüssigkeit war vorhanden, die Felge vorn rechts war allerdings kochend heiß. Als der ADAC schließlich kam, funktionierte die Bremse wieder. Sie hing aber auf einer Seite und hat durch das Schleifen mit der Scheibe die Bremsflüssigkeit so stark erhitzt, dass sie unwirksam wurde. „Der Bremsenprüfstand zuvor war quasi der Schnellkochtopf für die Bremsflüssigkeit“ erinnert sich Klaus. Klaus wusste zwar, dass er super reagiert hatte, aber auch, dass er großes Glück hatte. Die Bremsen waren also auch noch fällig bevor es nach Norderney ging.

Gut, dass Klaus schrauben kann

In dem mittlerweile alljährlichen Inselurlaub auf Norderney waren dann noch neue Stoßdämpfer fällig und es gab Anzeichen, dass das Lenkgetriebe auch ersetzt werden musste. Da fängt es dann schon an schwierig zu werden mit den Ersatzteilen. Gut, wenn man ein ungebrauchtes Lenkgetriebe im Keller liegen hat! Leider kam Emma in die falsche Werkstatt, denn laut Werkstattmeister musste auf die Schwergängigkeit der Lenkung nach der Reparatur das neue Lenkgetriebe eingefahren werden.

„Nach knapp 30 Jahren Schrauben war mir die Aussage so fremd wie Dieter Bohlen und Musik“ beschreibt Klaus die Situation humorvoll, „Schwergängige Lenkung und die Hupe funktionierte nimmer, echte Blindenarbeit sozusagen“. Wenn ein Oldtimer-Besitzer auch selbst ein Stück weit schrauben kann, hilft das sehr, denn Werkstätten sind nicht immer vertrauenswürdig. Genau solch eine Werkstatt hatte das 50 Jahre alte Lenkrad hingerichtet und beinahe das neue Lenkgetriebe. „Dadurch, dass die Spur eher wie ein Trichter eingestellt war, ist die Lenkung mehr als nur schwergängig gewesen. Die Kräfte zur Selbstrückstellung der Lenkung können nur auftreten, wenn die Spur wie ein Keil eingestellt ist. Das heißt die Räder müssen vorn in Fahrtrichtung leicht nach innen gewinkelt sein“ so Klaus, er hatte sich in diesem Fall dann selbst geholfen.

Mit viel Feingefühl konnte Klaus seine "Emma" selbst in Schuss bringen.

Nachdem dann das Kabel und die richtige Schraube für den Anschluss gefunden war, hupte Emma auch wieder. Anfang 2019 war dann der 50 Jahre alte Vergaser undicht, aber dafür gab es recht schnell gute und zuverlässige Hilfe aus Radevormwald in Nordrhein-Westfalen. Heute ist Emma bis auf die Wischblätter rundum erneuert. Das gesamte Retromotion-Team dankt Klaus sehr für das ausführliche Teilen seiner Erinnerungen mit uns, die vielen wunderbaren Fotos und auch für das anregende und lustige Telefonat vor ein paar Wochen. Wir wünschen Klaus, seiner Tochter Antonia und Emma noch unzählige Kilometer zusammen sowie noch viele weitere erholsame und schöne Urlaube auf Norderney. Und vielleicht ist ja auch Emma bald wieder in einer Filmproduktion zu sehen. Wir wünschen allzeit gute Fahrt!

Wir sind froh, dass Klaus und seine Tochter so viel Spaß am Oldtimer "Emma" haben.