Schild bei Thomas Ludolf

16.12.2020

Nächste Ausfahrt: die Ludolfs 

Wir Jungs und Mädels bei Retromotion versuchen nicht nur für euch jedes Ersatzteil verfügbar zu machen, viele von uns sind natürlich auch selbst leidenschaftliche Autoschrauber. Heute stellen wir euch unseren Kollegen Stephan und sein neuestes Projekt, einen Golf II GTI, vor und erzählen euch, wie ihn dieser Wagen zu den Ludolfs geführt hat. 

Seit 2004 ist Stephan in der Welt der Autos und des Schraubens zuhause - als Karosseriebauer hat er jahrelange Erfahrung mit der Restauration von Mercedes-Benz-Oldtimern gesammelt und war auch in der Tuning-Szene lange aktiv. Neben der Arbeit in der Werkstatt und dem Schrauben in der Freizeit hat er seinen Betriebswirt gemacht und gehört seit 2018 zu den Mitarbeitern der ersten Stunde bei Retromotion. Trotz eines beruflichen Tapetenwechsels ist die Leidenschaft zum Schrauben sowie älteren Fahrzeugen nach wie vor ungebrochen und zum Hobby geworden, weshalb er in seiner Freizeit oft in der Werkstatt anzutreffen ist, wo er fleißig schraubt sowie restauriert und versucht, Retromotion mit seinem Hobby zu verbinden. Als „Mann vom Fach“ ist er für Retromotion auf sämtlichen Messen anzutreffen und hat darüber hinaus unsere Nachproduktion von Ersatzteilen maßgeblich mitgeprägt. Mit seiner jahrelangen Erfahrung, Expertise und Leidenschaft berät er unsere Kunden, wodurch er schon so manchem verzweifelten Ersatzteil-Suchenden wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern konnte.

Stephan von Retromotion

Doch nun zu seinem aktuellen Projekt: Nachdem er jahrelang einen Mercedes-Benz W124 fuhr, an dem er viel geschraubt hatte, musste allmählich ein neues Fahrzeug her. Im Sommer 2017 hat ein Freund von Stephan den Golf II GTI, Baujahr 1987, durch Zufall in Frankreich entdeckt und konnte nicht anders, als ihn sofort zu kaufen. Einiges musste repariert werden und die beiden haben sich auch direkt ans Werk gemacht – Stephan hat den Wagen geschweißt, während sein Kumpel ihn lackierte. Im Laufe der letzten drei Jahre haben die beiden immer wieder an dem GTI gearbeitet, bis sein Kumpel den Wagen schließlich aus Zeitgründen Anfang dieses Jahres ganz an Stephan abgegeben hat, der sich für sein neues Projekt etwas Besonderes vorgenommen hat. 

Stephans VW GTI
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Stephan Wagner, © Retromotion 2020

Stephans aktuelles Projekt: ein Golf 2 GTI

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Der VW Golf II

Mit über 6,3 Millionen zwischen 1983 und 1992 gebauten Fahrzeugen gehört der Golf II zu den am häufigsten gefertigten Automobilen der 1980er und frühen 90er Jahre. Je nach Modell und Variante war er mit 55 - 90 PS ausgestattet und konnte zwischen 150 - 178 km/h Höchstgeschwindigkeit erreichen. Servolenkung, ABS, elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung – Ausstattungen, die heute ganz selbstverständlich sind – wurden mit dem Golf II erstmals angeboten, wenn auch zu z.T. hohen Aufpreisen von 500-1000 DM. Obwohl er sich mittlerweile an und über der Altersgrenze zum Oldtimer befindet, waren laut Kraftfahrt-Bundesamt im Jahr 2013 noch 126.000 Golf II in Deutschland zugelassen.

Das Projekt Golf 2 GTI

Das aktuelle Vorhaben von Stephan umfasst die zeitgenössische Veredelung sowie einige Modifikationen, darunter den Einbau eines KW-Gewindefahrwerks, originaler BBS RS098Felgen in 7X16 sowie zweier 45er Weber-Doppelvergaser in Verbindung mit einer Supersprint Auspuffanlage.

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Weber Doppelvergaser

Im Gegensatz zu Einfachvergasern führen bei den Doppelvergasern die getrennten Ansaugwege zu einer besseren Füllung der Zylinder mit dem Kraftstoff-Luft-Gemisch, was eine Steigerung der Motorleistung, aber auch des Kraftstoffverbrauchs bewirkt. Sie werden heutzutage vor allem im Oldtimer- und Youngtimer-Motorsport verwendet sowie bei älteren amerikanischen Muscle Cars mit V8-Motor.

Ziel ist es, trotz all dieser Tuning-Veränderungen noch ein H-Kennzeichen zu erhalten. Um das zu erreichen, müssen aber alle baulichen Veränderungen auch folgendem Kriterium entsprechen: Veränderungen müssen innerhalb von 10 Jahren nach Erstzulassung möglich gewesen sein - die Bauteile muss es also bis spätestens schon 1997 gegeben haben, dementsprechend schwierig ist es natürlich, diese Teile zu finden.

Wie die Teilesuche Stephan letztendlich zu den Ludolfs geführt hat, beschreibt er uns folgendermaßen:

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Ein zentraler Bestandteil des Tunings meines GTIs ist die Auspuffanlage. Hierfür war ich bereits seit Wochen auf der Suche nach einer passenden Auspuffanlage mit Gutachten. Trotz unseres umfangreichen Online-Shops und des großen Netzwerks, das wir haben, konnte ich einfach keinen passenden Sportauspuff finden. Am 29.09. stieß ich endlich auf eine verheißungsvolle Verkaufsanzeige: Eine Supersprint Auspuffanlage, original verpackt und Original-Gutachten enthalten wurde zum Festpreis angeboten! Ich konnte es kaum fassen und war hin- und hergerissen: „Soll ich kaufen, soll ich warten? Was ist, wenn die Auspuffanlage morgen schon weg ist?“ In meinem Kopf spielten sich so viele Dinge ab, aber schlussendlich musste ich einfach zuschlagen, denn dieses Teil aufzutreiben - 30 Jahre alt und dann noch originalverpackt - kommt einem Sechser im Lotto gleich. Ich habe also den „Kaufen“-Button gedrückt und konnte mein Glück kaum fassen. Voller Euphorie, endlich meine ersehnte Auspuffanlage gefunden zu haben, habe ich mir die Verkäuferinformationen etwas näher angesehen und was ich dann sah, hätte ich niemals erwartet.

Die Supersprint Auspuffanlage auf eBay
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© Retromotion 2020

Die Supersprint Auspuffanlage war ein Glücksgriff für Stephan.

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Die Verkäufer waren die Ludolfs! Und jeder, der die Fernseh-Ikonen kennt, weiß, dass bei der Menge an Ersatzteilen, mit denen die Ludolfs handeln, nicht jedes Teil, sei es aufgrund der Größe oder anderer Eigenschaften, verschickt werden kann. Ich musste meinen “Sechser im Lotto” selbst vor Ort abholen. Ungefähr 3 Wochen voller Vorfreude später war es dann endlich soweit: Aufgestanden, vollgetankt, mir im Vorfeld für den Tag bei der Arbeit frei genommen und mich bei traumhaftem, früh-herbstlichen Wetter auf die 250 km lange Reise vom Nordschwarzwald ins beschauliche Linden gemacht.

Nach guten 2 ½ Stunden Fahrt kam ich an meinem Ziel in Mittelhessen an und meinem Ersatzteil so nah wie es nur gehen konnte. Ich stieg aus und da stand ich also, vor den heiligen Hallen der Ludolfs, dem Mekka eines jeden Autoschraubers.

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© Retromotion 2020

Uwes Sohn Thomas ist die nächste Generation der Ludolfs und führt das Unternehmen seit ein paar Jahren erfolgreich weiter, auch mit Blick in Richtung Modernisierung und den Online-Handel.

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Dort, wo über 2 Millionen Teile gelagert sind, darunter unzählige Schätze – wie unter anderem auch meine Supersprint Auspuffanlage. Ich ging zur Tür und wollte gerade klingeln, als diese sich plötzlich und unvermittelt öffnete und mir Manni freundlich entgegenlächelte. Er begrüßte mich und bat mich herein. Ich folgte ihm in das Büro, wo mich Uwe und sein Sohn Thomas schon erwarteten und auf der Theke die von mir bestellte Auspuffanlage bereitgelegt hatten.

Der erste Eindruck war überwältigend. Überall lagen Ersatzteile herum und in der Luft hing eine Mischung aus Öl und kaltem Zigarettenrauch; ein Duft, der den meisten Schraubern nur zu gut bekannt sein dürfte (gelegentlich auch Schrauber-Parfüm genannt). Wir kamen schnell ins Gespräch, denn ich hatte mich bereits im Vorfeld als Mitarbeiter von Retromotion angekündigt und erzählt, was es mit uns auf sich hat. Sie boten mir an, mich zu setzten und so tauschten wir uns über den Ersatzteil-Handel und seine Zukunft im Internet aus und sprachen allem voran natürlich auch über all die Teile, die auf dem ganzen Areal gelagert sind. Im Zuge der Gespräche boten mir die Jungs eine Führung über das gesamte Gelände an, die ich als Schrauber mit Leib und Seele natürlich unter keinen Umständen abschlagen konnte. Schon nach wenigen Schritten durch das Lager der Ludolfs war die Menge an Ersatzteilen schier überwältigend: Es reihten sich sauber geordnete Regale aneinander, zwischen denen in den Gängen das altbewährte Haufenprinzip herrschte.

Ersatzteillager bei den Ludolfs.
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© Retromotion 2020

Die Mengen an Ersatzeilen sind unfassbar, trotzdem behalten die Ludolfs den Überblick.

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Trotz allem behalten die Ludolfs, allen voran Uwe, den Überblick über das Ersatzteil-Paradies. Als wäre die Führung nicht schon der Ehre genug gewesen, klingelte im Anschluss noch das Telefon und ich wurde live Zeuge einer Ersatzteil-Anfrage für eine Golf 3 Hinterachse, die wie gewohnt und aus dem Fernsehen bekannt durch Uwe ohne Computer oder eine Lagerverwaltungssoftware aus dem Kopf heraus sofort bearbeitet wurde – auf meine Nachfrage hin sagte er mir, dass er über 90% aller Teile auf dem gesamten Gelände kenne. Die Tatsache, dass die Menge der Ersatzteile bei den Ludolfs nur noch in Tonnen gerechnet werden, verdeutlicht noch einmal auf eindrucksvolle Weise, mit was für einer riesigen Menge an Ersatzteilen dort gehandelt wird. In diesem unendlichen Berg an Autoteilen so den Überblick zu behalten, beeindruckt mich wirklich nachhaltig.

Nach ca. 2 Stunden voller anregender Gespräche und einer überwältigenden Hallen-Führung, verließ ich das Gelände der Ludolfs und machte mich mit vielen tollen Eindrücken auf den Heimweg. Mit im Gepäck: Meine Supersprint Auspuffanlage, eine handgeschriebene Quittung und 10 signierte Autogrammkarten. Die Drei und ich haben beschlossen, weiterhin in Kontakt zu bleiben. Nicht nur, da wir alle in der Ersatzteil-Branche zuhause sind, sondern auch, da ich erst am Anfang meines Golf II Projektes bin. Ich gehe also sehr stark davon aus, dass es nicht mein letzter Besuch bei den Ludolfs gewesen ist. Momentan bin ich noch dabei, den Motor umzubauen und die Bremsanlage entsprechend der Mehrleistung anzupassen. Seid also gespannt, wie es mit dem Umbau weitergeht – wir halten euch auf dem Laufenden.